Miterben im Keim ersticken! – aus Heft 7/2015

Ist Erben moralisch? Diese Frage stellte sich die Journalistin Julia Friedrichs (Wir Erben, Gestatten – Elite, Politiker – können wir ihnen vertrauen?), nachdem sie gesehen hatte, dass viele ihrer Freunde Erbschaften einfuhren, sie aber nicht.


Arbeiten ist out, Erben ist in! Doch Gefahr droht: SPD-Altlast Peer Steinbrück (Unterm Strich, 100 000 ganz legale Steuertricks, Mein Weinkeller – Rundgang durch ein Politikerleben) forderte jüngst eine Reform der Erbschaftssteuer, denn mit ehrlicher Arbeit lasse sich heute kein Vermögen mehr aufbauen – im Gegensatz zu früher, wo jede fleißige Krankenschwester spätestens nach 20 Arbeitsjahren am eigenen Pool sitzen und Champagner schlürfen konnte. Bevor der schmarotzende Staat die Hand aufhält und mit dem mühsam erspekulierten Reichtum genderneutrale Radschnellwege, freilaufende Tofu-Würstchen, flächendeckende Kitabetreuung und andere Unsinns-Projekte finanziert, sollte der Zaster lieber in den Händen derer bleiben, die mit Geld umzugehen wissen – Fifa-Manager, FC-Bayern-Funktionäre, reiche Comic-Enten. Doch keine Sorge: Um zu erben, brauchen Sie heutzutage nicht mehr geriatrische Millionäre zu ehelichen und dann einer Zyankali-Kur unterziehen – viel besser geht’s mit Arsen! Weitere Tricks – siehe hier!

Die größte Herausforderung ist, sich bereits in jungen Jahren von seinen Eltern scheiden zu lassen, wenn deren Jahreseinkommen unter 100 000 Euro liegt oder sie gar Hartz IV beziehen – wer einfach so vom Staat Geld bekommt, ohne dafür eine eigene Leistung zu erbringen, hat unter Erben nichts verloren!

Was nützt das schönste Erbe, wenn man es mit gierigen Blutsverwandten teilen muss? Sollten Sie also bereits im Kindesalter mitbekommen, dass Ihre Eltern sich anschicken, weitere Erb-Schmarotzer zeugen zu wollen, verhindern Sie dies! Zeigen Sie Ihren Erzeugern anhand ihres eigenen Verhaltens, dass sie nicht noch so ein Ekel an der Backe haben sollten: Tun Sie Sekundenkleber in die Zahnpasta, kotzen Sie ins Auto, hören Sie Justin Bieber-CDs in infernalischer Lautstärke! Sollte alles nicht fruchten, hilft nur noch ein beherzter Tritt in die väterlichen Testikel – Miterben möglichst früh im Keim ersticken!

Sollte es wider Erwarten doch Nebenbuhler geben, lassen sich Streitigkeiten unter den Erben durch ein Testament vermeiden – insbesondere, wenn Sie selbst beim Verfassen des Testaments beratend tätig sind. Kümmern Sie sich rechtzeitig darum, dass Ihre alleinerziehende, invalide Schwester nur den verschwitzten Hometrainer und die Bierdeckelsammlung erhält, und die Ahlbecker 500-qm-Wohnung mit DDR-Mietvertrag an Sie fällt.

Kritisch ist natürlich, wenn die Altvorderen gerade aufgrund ihres Vermögens so lange mit Neuro-Medizin, Organwartelisten-Fälschung und Seitenbacher-Müsli dem Tod entfleuchen, dass Sie frühestens mit einer Erbschaft rechnen können, wenn Sie selbst im Greisenalter sind – doch trösten Sie sich: Wenn Sie die Erblasser im Alter pflegen und die Kontrolle über deren lebenserhaltende Maßnahmen haben, lässt sich der Zeitpunkt der Erbschaft punktgenau (und dank Morphinpumpe schmerzarm) regulieren!

Falls Sie dafür nicht den Mumm haben, empfiehlt sich, auf eine Schenkung noch vor dem Tod hinzuwirken, um sowohl die Erbschaftssteuer als auch die lästige Pflege zu umgehen: Machen Sie frühzeitig klar, dass Sie zur Finanzierung des Ihnen angemessenen Lebensstils (Flugzeuge sammeln, Pandas jagen, Bahn fahren) dringend monetäre Rücklagen benötigen. Eine Schenkung kann zur Not (siehe Notwehrparagraph) auch erpresst werden. War Opa bei der Waffen-SS, der Papa bei der Stasi oder praktizierender Sodomit (Kaninchenhaltung!), dann kann die Ankündigung, das Familiengeheimnis bei Markus Lanz zu lüften, Wunder wirken.

Nun sind Sie also reich, sehen Ihr Lebensende herannahen und haben immer noch Geld auf dem Konto? Das sollten Sie schleunigst für ein opalbesetztes Grabmal, einen Flug zum Mond oder privat finanzierten Zahnersatz ausgeben, denn überall lauern Erbschleicher, die nur darauf warten, Ihnen ins Testament zu pfuschen, Sie zu Schenkungen zu nötigen oder Ihren Herzschrittmacher via Smartphone zu hacken. Falls sich eine Erbschaft dennoch nicht vermeiden lässt, achten Sie darauf, dass die gierige Brut nicht nur Ihr Geld, sondern auch alle Ihre Schulden sowie die 300 Telekom-Aktien mit dem Autogramm von Manfred Krug erbt – ha!

Erik Wenk

 

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