Sabotage mit Spunzen und Schnageln – aus Heft 5/2015

Wie der Weltpresse in Berlin und Umgebung zu entnehmen war, wurde in der Nacht zum 3. März 2015 der Neubau des Bundesnachrichtendienstes von einem Wasserschaden überwältigt. Mehrere Etagen wurden flächendeckend ertränkt, als sich 10 000 Liter unverdünnt in alle Himmelsrichtungen ergossen. Der EULENSPIEGEL sprach wenige Wochen nach dem Unglück sofort mit Klempnermeister Heinz Ducke, Sprecher der Berliner Klempnerinnung in der Installateursvereinigung Brandenburg der Norddeutschen Handwerkskammer Deutschland.

Herr Ducke, war es Pfusch oder Sabotage?

Das ist eine einfache Frage, die ich ebenso einfach beantworten will. Wissen Sie, schon die Unterstellung, es könnte ein handwerklicher Fehler vorliegen, ist doch ungeheuerlich und bringt mich geradezu zum Platzen. Wer hat denn hier ein Interesse daran, das deutsche Handwerk in schmutziges Licht zu rücken?! Wir stehen in einem globalen Wettbewerb mit Anbietern aus der weltweiten EU und müssen solche geschäftsschädigenden und zu allem … äh … Überfluss auch noch zu Unrecht in die Öffentlichkeit geworfenen Anschuldigungen, die übler riechen als ein nicht fachmännisch ausgeweideter Siphon, entschieden zurückweisen.

Herr Ducke, war es nun Pfusch oder Sabotage?

Wie ich Ihnen eben zu erklären versucht habe: Da unmöglich Pfusch vorliegt, kann es kein Pfusch gewesen sein! Ihr Herren vom Journalismus seid manchmal schwerer von Kapee als ein ausgewachsener Schraubstock, was?

Herr Ducke, das Gebäude wird rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst überwacht. Der hat seine Augen und Kameras überall und schießt scharf, sobald er nur ein leises Mucksmäuschen bemerkt. Kann es nicht sein, dass ein Klempner nicht aus Schlamperei, sondern vorsätzlich …

Sie machen wohl Witze!

Nein, ich frage Sie im Ernst, ob …

Dann ist gut, denn solche Witze vertrage ich nicht.

Und der im Ernst dafür sorgen wollte, dass sich himmelhohe Mehrkosten auftürmen, damit die Baufirma weitere Gigantillionen Euro einsaugen kann?

Bei meiner Klempnerehre, das ist so fest ausgeschlossen wie Luft in einer Heizungsrippe. Ich weiß, dass Sie auf einen Bericht des Spiegel anspiegeln. Aber welches Recht hat ein Nachrichtenmagazin, das sich zuvor in über 60 Jahren nie mit der Klempnerei und Spenglerei einigermaßen fachkundig befasst hat, solche Mutmaßungen von der Leine zu lassen, die schmerzhafter sind als ein Auge in einer Kneifzange? Das frage ich Sie!

Und Ihre Antwort?

Es war Sabotage, wie ich Ihnen bereits so klar wie das Wasser im Spülkasten bewiesen habe.

Herr Ducke, Wasser ist ein gutes Stichwort. Fünf Wasserhähne in den Putzmittelräumen des Hauptgebäudes standen unter Druck und wurden geöffnet, so dass der Parkettboden des Hauses absoff, eine Decke unter der Wucht der Feuchtigkeit fast zu Boden sank und die Rigipsverkleidung mehrerer Büroräume bis auf die Knochen durchweichte.

Wie ich Ihrem Kopf bereits deutlich zu machen versucht habe: Jeder angehende Klempner lernt bereits im ersten Lehrjahr, kaum dass er gehen und sprechen gelernt hat, dass der Haupthahn vor der Montage der Armaturen abzustellen ist. Punktum.

Vielleicht war der Haupthahn nicht abgestellt.

Dann kann ihn nur jemand angestellt haben, der nicht einmal das eben beschriebene erste Lehrjahr auch nur von Weitem gesehen hat! Schauen Sie: Der Haupthahn und alle Neben-, Seiten- und Standhähne sind routinemäßig ebenso wie sämtliche Kreuz- und Afterhähne über Innenventile verbunden und werden – das ist Vorschrift! – im Röhrennetz sauber überkant mitverrohrt.

Ach …

Außerdem werden sie vorschriftsmäßig mit Winkelkeilen verzilgt. Sobald dann der zentrale Spunzen gesetzt und mit der Muffenpinze fest verlocht ist, kann nirgends auch nur eine winzige Kappe von Ihrem köstlichen Nass entweichen.

So …

Sie müssen sich das so vorstellen: Eine T-förmige Ringkapsel, innen exakt ausgefrenzt, sitzt außen mit Spollenscheiben verlötet auf der Schmulze und flinnt den Plummer, bis der Bötel stonz ist, der Schnieger verrollt und die Pindola einhuckt.

Eieiei…

Und die Pindola huckt sogar ein, noch bevor die Ringkapsel den Plummer flinnt! Das ist der Clou. Sie sind natürlich Laie … aber auch wenn Sie nicht vom Fach sind und vom Tuten und Klempnern keinen Schimmer haben, glauben Sie mir: Sobald nur ein einziger Gesenkhebel, eine einzige Schlagschelle oder eine einzige S-Schraube im ganzen Gebäude locker oder, wie wir Fachleute sagen, zerpimmt ist, dann … äh … ist es ausgeschlossen, dass das ein Klempner gewesen sein kann.

Wenn Sie es sagen …

Um es kurz zu machen, gerade für die Klempnerei gilt das alte deutsche Sprichwort: Handwerk hat trockenen Boden. Trockenen, nicht nassen!

Sie trocknen also Ihre Hände in Unschuld. Aber ein Restrisiko …

... muss man schon mit dem Rollhammer suchen. Beziehungsweise einen Spiralkrampen in den großen Backen des Haupthahns stecken!

Genau …

Und genau dann wäre es Sabotage. Aber das System ist bis an die Halskrause gesichert! Ich kann Ihnen das hier mal am Modell zeigen. Nehmen Sie mal den Schnagel da!

Den Schnagel?

Ja, den Schnagel. Da liegt er doch.

Äh …

Na, den Schnagel da! Machen Sie doch die Augen auf! Da, nehmen Sie. So! Und jetzt setzen Sie den Schnagel an die Wucke und schieben den Stauchkloben ganz einfach auf die Nockenklemme.

Äh … öh …

Nun stellen Sie sich nicht so an! Den Schnagel an die Wucke … an!! die Wucke, nicht neben … nein, nicht so … nein! ... also das schlägt doch dem Fass … Menschenskind!!

Was … wie … sagen Sie, haben Sie mir jetzt eine Ohrfeige gegeben?!

Sie stellen sich aber auch an wie der letzte Mensch. Geben Sie mal her! So … an die Wucke … dann – schauen Sie gut zu! – nehme ich den Stauchkloben … auf die Nockenklemme. Und jetzt – sehen Sie hier – komme ich zum Haupthahn … Ja, passen Sie doch auf!

Ich bin ganz nass …

Ja, wenn Sie auch meine Arbeit sabotieren!

Peter Köhler

 

Kommentare 

 
#1 Daggi Dinkelschnitte 2015-04-29 09:33
Ja nun, wie üblich, wenn eher der Arbeit entfremdete WesInnen aus Politiktalk, Jura oder BWL bis zur Journaille von Arbeit reden, geht es oft daneben; beim "Klempner" aber IMMER! Denn der macht mitnichten "in Wasser" drinnen, eher "Regenrohr und Dachrinne sind sein Metier.
Binnenversorgun g macht der Installateur. Der bringt aber keinen "Hahn" mit, eher 1/2 Hähnchen. Hahn gehört in die Gasanlage und schließt mit 1/4 Umdrehung.
Ventile in die Wasserleitung montiert der Installateur, Schieber an Großanlagen.
Bitte beim nächsten Schnittchenabgr eiftermin diese Wahrheit InDissmUnsremLa nde verbreiten.
Und Sprachgebrauch der dreijährigen Tochter gibt noch lange keinen lustigen Handwerksartike l, eher Schrottplatz- Award.
Zitat
 

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