Seriööööös! – aus Heft 4/2015

Detlev KleberAlle kennen Claus Kleber als den seriösesten Nachrichtenmann der Welt. Doch wie ist dieser adrette Vollblutjournalist wirklich, über den Mahmud Ahmadinedschad gesagt haben soll, er sei der gefährlichste Mann im deutschen Fernsehen? Zunächst ein paar Fakten: Dr. iur. Claus-Detlev Walter Kleber wird 1955 am Rand der Metropolregion Stuttgart als Klaus-Detlev Walter Kleber geboren. Die Hebamme versucht, ihm mit mehreren Klapsen erste Lautäußerungen zu entlocken, doch erst als man einen Teleprompter hereinbringt, auf dem in großen Lettern »Rabääähääähäää! « zu lesen ist, erklärt der kleine Klaus, dass ein Top-Journalist seine Emotionen zwar nicht verstecken, sie aber auch keinesfalls herausschreien dürfe. Vielmehr gelte es, Distanz zu wahren oder – da dies für einen emotionalen Menschen wie ihn vollkommen unmöglich sei – zumindest beim Publikum diesen Anschein zu erwecken.

Anschließend studiert er Jura, tritt einer nicht schlagenden, dafür aber reitenden Verbindung bei und bricht sich bei einem Sturz vom Pferd das K in seinem Vornamen, welcher in einer Not-OP nur verstümmelt gerettet werden kann. Als USA-Korrespondent entdeckt er seine für ihn heute so typische Vorliebe für Action-News und schlecht sitzende An- und Gesichtszüge. Er wird Mitglied des deutsch-amerikanischen Think-Tanks Aspen-Institut, tritt der Lobby-Organisation Atlantik-Brücke bei und hat keine Lücke in seinem zahnärztlichen Bonusheft.

Prägend, so erklärte er, war für ihn seine Zeit in den USA: »Einiges von diesem amerikanischen We-can-do-it, wir können es schaffen, wir müssen uns mit dem, wie die Welt ist, nicht zufriedengeben, wir können sie anders oder besser machen, hat auf mich abgefärbt.« Anders oder besser – egal. Claus Kleber can do it and he does it! Dass bei einem so crazy Macher-Typen nicht immer alles nach Plan funktioniert, ist aber auch klar. »Chaotisch«, gestand er der Süddeutschen Zeitung, laufe für gewöhnlich sein Tag ab, doch am Ende komme immer eine Sendung heraus, »die Sie als seriös empfinden«. – Und diese Empfindung ist schließlich alles im Nachrichtenwesen.

Deshalb, so Kleber weiter, sei es auch so wichtig, dass sein Heute journal eine echte »Moderatoren-Sendung« ist: »Es wird nichts gesendet, was der Moderator nicht mag.« Das könnte für Gundula Gause gefährlich werden. Im Zweifel ist sie schneller weg, als sie »währungsstabilisierende Rückkopplungsbankenabgabe« sagen kann. Doch so rigoros ist Kleber in diesem Punkt nicht. Denn was man nicht mag, das kann man, wenn nicht verbessern, so zumindest ändern. Das versuchte er mit Siemens-Chef Joe Kaeser, als sich dieser erdreistete, kurz nach Inkrafttreten der ersten Sanktionen gegen Russland nach Moskau zu reisen, ohne Claus Kleber und dessen Kanzlerin um Erlaubnis zu fragen. Kleber war außer sich während des Interviews: Da hatte dieser seinen Aktionären verpflichtete Vorstandsvorsitzende doch tatsächlich irgendwelche Geschäfte im Kopf, anstatt dem deutschen Volk zu dienen, das sich im Krieg mit Russland befindet! Die Kanzlerin – hintergangen! Ein Defätismus, den der aufrechte Kleber nicht unangeprangert lassen konnte. – Dass es in der Regel die Kanzlerin ist, die sich Anweisungen von Leuten wie Joe Kaeser abholt, hatte er in diesem emotionalen Moment kurz vergessen. Aber wenn einer die Linie der Regierung missachtet, hat der Spaß für Kleber ein Loch.

Dass ZDF-Nachrichtensprecher nur die besser bezahlten Pressesprecher der Bundesregierung sind, ist spätestens seit dem nahtlosen Wechsel Steffen Seiberts vom einen in den anderen Job Allgemeinwissen. Klebers in Deutschland so geschätzte Vorliebe dafür, stets die Meinung der Regierung zu vertreten, in deren Einflussbereich er sich gerade befindet, wurde ihm allerdings zum Verhängnis, als er den iranischen Präsidenten interviewen durfte. Den Theorien Ahmadinedschads über den Holocaust zu widersprechen, ging einfach gegen Klebers Instinkt. Vielleicht braucht Ahmadinedschad ja irgend wann mal einen verlässlichen Pressesprecher.

Klebers Gespür für das richtige Schweigen zur rechten Zeit brachte ihm auch von staatlich gestützten Zwangsabgaben unabhängigen, also anzeigenorientierten Verlagen Spitzenangebote ein. So bot ihm vor einigen Jahren der Spiegel den Posten des Chefredakteurs an. Er lehnte ab. Das Fernsehen sei sein Medium, sagte er. Allein wohl schon wegen seiner Eitelkeit. Und siehe da: Mit dem Konkurrenzangebot im Rücken sprang für ihn tatsächlich eine kleine Gehaltserhöhung raus (480 000 Euro im Jahr). Er ist jeden Gebührencent wert! Beschwerden aus dem Rundfunkrat hört man praktisch nie.

Es versteht sich von selbst, dass auch Ehrenpreise bei einer solchen Leistung nicht aus - bleiben. Bei der Verleihung des Preises zum Politikjournalisten des Jahres 2009 sagte er: »Ich bin gar kein politischer Journalist, ich spiele nur einen im Fernsehen.« Er lachte, als meine er das lustig. In Wahrheit kam er aber nicht aus seiner journalistischen Haut: Er musste einfach die Wahrheit sagen. Authentisch, emotional, Kleber.

So mögen ihn alle. In der nach dieser EULENSPIEGEL-Rubrik benannten ZDF-Sendung Unsere Besten belegte Kleber 2014 den 28. Platz. Natürlich hatte das ZDF die Zahlen gefälscht, um möglichst viele gutplatzierte Gäste in der Sendung zu haben. Doch wäre es bei Kleber gar nicht nötig gewesen. Selbst die ungeschönte Umfrage sah ihn auf Rang 39. Für einen, der Texte abliest, nicht das schlechteste Ergebnis.

Männer bewundern seine grenzenlos seriöse Ausstrahlung und sein Einkommen, Frauen gefallen seine blauen Augen und dass er stets ein bisschen steif wirkt. Ihm selbst gefällt Claus Kleber, weil er authentisch ist und es gelogen wäre, so zu tun, als fände Claus Kleber Claus Kleber nicht gut. Körperlich fit hält er sich übrigens, indem er während des Heute journals ziellos um den 17 Millionen Euro teuren und fast 300 Meter langen Moderationstisch herumstakst.

Vor einiger Zeit hat Kleber den Kurznachrichtendienst Twitter für sich entdeckt. Dort, so sagt er, sei er noch authentischer, noch emotionaler.

Dort komme regelmäßig der wahre Claus-Detlev zum Vorschein, der sich nicht hinter Satzschablonen und vorgeformter Grammatik verstecken muss wie im Heute journal. So twittert er z.B. Kryptisches wie: »#cloud im journal. Bin gespannt, ob jmd bei Mod Augenzwinker-Kleinigkeit in unserem Datenraum entdeckt. Hiding in plain sight. Echt schwer!« Oder er twittert kaum Verständliches wie: »Der Igel hat gelandet. Zurück in FRA. Ergebnis: Sie will!! Beweis: ein Lachen. Und was für eins. Ganz am Ende. U’ll C. HRC Sendeplan bald!« Oder schlicht Merkwürdigkeiten wie: ».@dunjahayali wie kommt der lustige Kerl in der Mitte dazu, Deine Frizzur zu kopieren?« Wer derart meisterliche Miniaturen für unkontrollierte Auswürfe eines hyperaktiven Legasthenikers hält, irrt jedoch. Claus Kleber ist nur schon einen Schritt weiter als seine Kollegen. Tweets wie der folgende sind die Zukunft des Nachrichtenwesens: »Skandal? Lese z #Vorlesetag (unvorbereitet) M. Endes Jim Knopf . Plötzlich Wort ›Neger‹. Mini-Zögern. http://youtu.be/3VRLR35S4Xc Wadda u think?«

Wadda f*ck I think, u moron?!!? Dafür wahrscheinl. nur 2 Lösungen: 1.schnell away zapp, wenn Cl. Kleber i Fernseh! - 2. einfach tot schlag! – Wadda u think? @clauskleber #dachlatte!

Text: Gregor Füller
Zeichnung: Frank Hoppmann

 

Kommentare 

 
#1 IDeals 2017-07-10 14:20
Coole Bericht! Sehr informativ und hilfsvoll!
Zitat
 

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