Habemus communistan? – aus Heft 3/2015

Was ist los mit dem Papst? Nach Johannes Paul dem Prächtigen, der in den Disziplinen »klerikales Abschreiten weitläufiger Gelände« und »würdevolles, wenn auch grundloses Schmunzeln« Unnachahmliches geleistet hat, und seinem Nachfolger Benedikt dem Putzigen, der über zunächst einfach erscheinende Bibelstellen so lange meditieren konnte, bis sie auch dem Gutwilligsten unverständlich geworden waren, hat mit Kardinal Bergoglio ein Typ auf dem Papstthron Platz genommen, der so manchen ratlos macht:

Er ist so unberechenbar wie Nikita Chruschtschow, der vor der UNO den Schuh auszog, um mit einem gezielten Schuhwurf den 3. Weltkrieg auszulösen, so lieb wie Dieter Nuhr, so schlecht angezogen wie Honecker, so provokativ wie einstmals Inge Meisel und so gefährdet wie John F. Kennedy. Hier die häufig gestellten Fragen, die unwillkürlich bei jedem Katholiken auftauchen, der bemüht ist, unter Franziskus ein gottgefälliges Leben nach kirchlicher Gebrauchsanweisung zu führen. Und die Antworten.

Seit wann werden Argentinier vom Vatikan verpflichtet? Und nicht vom FC Barcelona?

Die berühmtesten Argentinier sind Madonna (Evita), Maradona und Maracuja. Außerdem noch Lionel Messi und Evita. Alle, bis auf Lionel Messi, stehen beim FC Barcelona unter Vertrag. Beziehungsweise umgekehrt natürlich. Es gibt einen einfachen Grund, weswegen Jorge Mario Bergoglio vor knapp zwei Jahren lieber in den Vatikan wechselte: Barca konnte die Ablösesumme nicht zahlen. Bergoglio selbst sieht die Sache positiv. »Im Vatikan habe ich das volle Vertrauen meiner Mitspieler«, sagt er. »Selbst wenn mir mal ein Eigentor passiert, werde ich nicht gleich ausgewechselt!« Diese Aussage halten die einen für Optimismus, die anderen für jugendliche Naivität.

Was meint er damit, dass die Kirche für die Menschen da sein soll und nicht für den Klerus?

Das fragen wir uns auch! Denn die Kirche ist ja schon immer für die Menschen da, zum Beispiel für ihre Steuern. Aber es handelt sich hierbei natürlich nicht um eine Aussage im eigentlichen Sinne, sondern um ein Gleichnis. Sicher ist jedoch, dass man als Erzbischof in seiner neuen Badewanne gern goldene Griffe haben darf, aber nicht zwei Kopfstützen! Auch wenn die zweite Kopfstütze gerade dem Kontakt des Würdenträgers mit den Menschen dienen sollte.

Ist der Papst Atheist?

Es ist wie im wirklichen Leben – Kompetenz ist nie ganz oben angesiedelt, sondern immer irgendwo darunter. Nur deshalb funktioniert vieles wenigstens so einigermaßen. Darum wäre es nicht weiter dramatisch, wenn Gott an den Papst glaubt, dieser aber nicht an ihn. Im Übrigen ist Papst Franziskus natürlich kein Atheist; jedenfalls nicht, wenn sein Flugzeug gerade durch ein Gewitter fliegt und zwei der vier Motoren ausgefallen sind.

Wenn Franziskus so bescheiden ist, warum ist er dann überhaupt Papst geworden?

Papst Franziskus stammt aus einfachen Verhältnissen. Mit seinen vier jüngeren Geschwistern (Papst Óscar, Papst Marta, Papst Alberto und Papst María) musste er sich fünf Betten teilen. Als junger Mann kaufte er sich einen alten französischen Kleinwagen mit nur noch drei Rädern. »Ich sah, dass er ein viertes Rad benötigte«, sagte er später. »Dieses Rad wollte ich sein!« Durch dieses Ereignis wurde Franziskus, den manche liebevoll den »Slum-Papst« nennen, geprägt. Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich für ihn nicht im Tragen goldbestickter Lederpantöffelchen. »Außerdem passen da meine Einlagen nicht hinein!«, lacht er verschmitzt sein verschmitztes Lachen und wirft einem Obdachlosen einen der zahllosen schweren goldenen Siegelringe zu, mit denen sich seine Vorgänger schmückten. »Aua, verdammte Scheiße!«, flucht der am Kopf getroffene Penner. »Hast du sie noch alle?« Doch da ist Franziskus schon weitergezogen. Er hätte aber auch zum Penner sagen können: »Du weinst? Das ist gut! Wenn wir weinen, wird die Welt eine bessere Welt.« Genau das hat er nämlich kürzlich zu einem kleinen Mädchen gesagt, das ihn gefragt hatte: »Warum gibt es so viele Arme auf der Welt?« und anschließend Rotz und Wasser heulte. Die richtige Antwort (»Wie - so viele Arme? Zwei Arme, zwei Beine – das ist doch normal!«) war ihm auf die Schnelle nicht eingefallen. Das ist die menschliche Seite des Papstes!

Warum sieht Franziskus so klitzeklein aus, wenn man bei einer seiner ganz gewöhnlichen Messen mit einer Milliarde Teilnehmern ganz hinten links steht?

Es gibt im Vatikan seit Langem die Überlegung, den Heiligen Vater für solche Veranstaltungen zu vergrößern. Doch alle bisherigen Versuche brachten kein überzeugendes Ergebnis. Die Idee, ihn mit Helium zu befüllen, führte zwar zu einem sichtbar größeren Volumen, allerdings auch dazu, dass er sich vom Boden löste und erst drei Tage später in der Toskana wieder aufgefunden wurde (das widerspricht aber Franziskus’ Lebensmotto: Bodenhaftung behalten!). Immerhin ist Franziskus aber einen halben Kopf größer als sein Vorgänger Benedikt. Dieser, so heißt es, habe aus Sicherheitsgründen stets den Raum verlassen, wenn die Putzkolonne mit dem Staubsauger kam. Denn wie schnell ist ein Unheil geschehen, und man muss den Papst, wenn man ihn wiederhaben will, aus der Staubtüte schütteln.

Hat der Papst tatsächlich alle Mafiosi exkommuniziert?

Nein, das hätte in der Kurie für große Unruhe gesorgt. Franziskus wird andere Wege suchen müssen, um der Zustände im Vatikan Herr zu werden.

Wie positioniert sich Franziskus in der Debatte über die Beleidigung religiöser Gefühle?

Die Frage, ob es nicht so ist, dass man nur Personen beleidigen kann, nicht aber Gefühle, beantwortet der Papst so: »Natürlich kann man die Gefühle eines Menschen beleidigen! Genauso wie man seinen Mundgeruch oder seine schlechte Laune beleidigen kann. Oder seinen neuen, aber total hässlichen Schal aus nicht gentechnisch verändertem Soja!« Und wie ist es, wenn jemand sich beleidigt fühlt? Kann man auch dieses Gefühl beleidigen? Zum Beispiel durch einen Witz? Franziskus: »Auch das Beleidigtseingefühl kann man beleidigen! Und wer unbedingt Witze machen will – es gibt doch so schöne Witze über Fritzchen! Oder Frauen beim Arzt! Oder über Kaninchen! Warum nicht einfach die erzählen oder zeichnen?«

Ein gutes Stichwort! Was hat der Papst gegen Kaninchen?

Nichts! Im Gegenteil: In Weißweinsoße mag er sie sogar sehr. Seine Aussage, Katholiken seien keine Kaninchen, ist natürlich auch wieder nur als Gleichnis zu verstehen. Im Grunde geht es darum, dass nicht eines Tages ganz ganz viele kleine niedliche Katholiken durch unsere Parkanlagen hoppeln, derer man nicht mehr Herr wird. Und in einem ist auch der neue Papst ganz und gar konservativ: Ein Katholik sollte niemals mit einem Kaninchen! Es sei denn, es ist katholisch.

Robert Niemann

 

 

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