Mit dem Mut des Mutterfußes – aus Heft 2/2015

MutterfüßlerEs war einst im Reich der Türken. Da saß der brave Präsident Recep Tayyip Erdogan in seinem wunderbaren Palast, den er jüngst errichtet und den er mit allerlei Tand und edlen Kostbarkeiten geschmückt hatte. Es war ein prachtvolles Gebäude, in seiner Herrlichkeit überwältigend. Der Palast war gar doppelt so groß und noch ein bisschen teurer als das Bundeskanzleramt jener mächtigen und prunksüchtigen Herrscherin aus dem fernen Westen. Erdogan ward es zufrieden, weshalb er auch um diese Stunde gut gelaunt war. Er trank einen Tee und strich sich vergnügt über den Schnauzbart, wenn es ihm schmeckte. Kurz, man sah dem Präsidenten an, dass es ihm recht wohl erging. Was er nicht ahnen konnte, war, dass sich zu gleicher Zeit einer seiner Untertanen vor einen PC setzte, kreuzweis die Beine übereinander schlug, sich vornüber zur Tastatur beugte und twitterte: »Erdogan ist der perfekte Schwule.«

Als der weise Präsident dieser Äußerung gewahr wurde, zürnte er vor Wut. Trug er doch seinen Freddy-Mercury-Gedächtnis-Schnauzbart lediglich, weil ihm die Musik des Sängers und dessen gravitätisches Wesen zusagte, nicht aber die Grässlichkeiten, die jener mit gleichgesinnten Männern veranstaltet hatte. Nein, ihn schauderte, wenn er auch nur daran dachte: Zwei Männer, wie sie Händchen hielten oder gar mit ihren Zungen gegenseitig sanft die Eichel liebkosten, während die Zeigefinger zärtlich die Prostata massierten, bis ihnen in höchster Ekstase der Saft der Lust aus den wohlgeformten Lenden schoss, und danach einer nach dem anderen mit seinem Knackarsch wedelnd ins Bad wackelte, um sich zu erfrischen.

»Ab in den Kerker mit dem Halunken für nicht weniger als zweieinhalb Monate oder ersatzweise eine Geldstrafe«, rief er darum geradewegs. Und so geschah es denn auch. Doch die gute Laune des Herrschers war verflogen. Er sann darüber nach, was den Untertan hatte bewegen können, in dieser bösartigen Absicht gegen ihn zu zetern. Vielleicht war er vom Kurden aufgestachelt? Oder schlimmer noch: vom Juden! Auf die bösen krummbuckligen Juden hatte Erdogan eine rechte Wut. Sie waren verantwortlich für viel Unheil in der Welt. Schließlich hatten sie seinen verhassten Kontrahenten Assad in Syrien bekämpft. Gut, das war jetzt kein gutes Beispiel, aber schlimm waren die Juden trotzdem!

Aber wie nur hatte sich der Untertan von ihnen blenden lassen können? Sah er nicht, wie viel Gutes er, Erdogan, der Welt beschert hatte? Wahrscheinlich verstand er nicht recht, mit wie viel Mut der Präsident gegen die Kulturlosigkeit des Internets gekämpft hatte. Hatte nicht schon der Philosoph aus dem Abendland, der hochverehrte Frank Schirrmacher, Allah möge seiner Seele gnädig sein, vor den Gefahren der digitalen Welten gewarnt? Der Präsident versuchte daraufhin wenigstens, die Nutzung der neuen Medien seinen Bürgern zu verbieten, um ihnen Schutz zu geben vor den grausamen Gefahren von Facebook, Twitter und ELSTER, der elektronischen Steuererklärung. Er hatte nicht aufgegeben und weiter für ein Verbot dieser Höllenwerkzeuge in seinem Reiche gekämpft. Dies tat er selbstlos, denn er war es schließlich, der dort einen unfasslichen Schatz in Form von sieben Millionen Facebook-Freunden besaß, auf die er hätte verzichten müssen.

Und hatte der Untertan auch vergessen, wie der Präsident sich für die Sache der Frauen eingesetzt hatte? Er war es doch gewesen, der die Frauen schützte, als er sagte, dass sie nicht jede harte Arbeit verrichten können, wie es beispielsweise in kommunistischen Regimen leider gang und gäbe war. Außerdem hatte er betont, wie heilig die Rolle der Frau als Mutter im Islam sei. Nach eigener Aussage hatte er darum schon als Kind seiner Mutter die Füße geküsst. Als sie sich dann zierte, sagte er: »Mutter, zieh deine Füße nicht weg, dort ist der Duft des Himmels.« Erdogan berichtete auch, dass seine Mutter manchmal weinte, wenn er dies sagte. Sie tat es wohl aus Glück darüber, einen so braven und grundanständigen Fußfetischisten erzogen zu haben.

Verzweifelt grübelte der Herrscher weiter darüber nach, was um Allahs Willen seinen Untertan hatte so dermaßen verbittern können. Er ließ all seine Amtsgeschäfte ruhen, nahm kein einziges Bakschisch an und vergaß völlig, das Geld aus der Staatskasse an seine Familie weiterzuverteilen. Es waren sieben volle Tage und sieben volle Nächte vergangen, als ihm im verzierten Plasmafernseher seines Palastes eine Zauberin erschien. Diese war eine kleine, dicke Frau, kunterbunt im Gesicht und in zerlumptem Anzug. Sie selbst nannte sich Claudia Roth und kam von weit her. Erdogan schaltete den Fernseher wieder aus.

Da fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen! War er vielleicht selbst schuld am Zorn des Mannes? Hatte er vielleicht aus falscher Bescheidenheit heraus seine eigene Rolle, seine Großartigkeit und die Oberaffengeilheit seiner Religion nicht genug herausgestellt? Ja, so musste es gewesen sein! Sofort wollte er ans Werk gehen.

Aber vorher brauchte er eine kleine Stärkung. Er bestellte sich 20 Mütter in seinen Palast und knabberte ihnen die getrockneten Wollmäuse zwischen den Zehen hervor. Dermaßen gestärkt und vom Fußduft beflügelt, bestellte er sich Journalisten ein und erzählte ihnen, was er für ein großartiger Mensch sei. Schließlich war er es, der durch seine Handlungen die Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU zum Erliegen gebracht und sein Volk somit vor dem maroden Euro bewahrt hatte. Auch war er es, der einer tollen Religion angehörte, deren Mitglieder schon vor Columbus in Amerika gewesen seien und Sohn eines Landes, das niemals nicht den Völkermord an den Armeniern, den es auch gar nicht gab, nicht begangen hatte.

Lange und vergnügt lebte Recep Tayyip Erdogan hernach. Und in seinen vergnügtesten Stunden freute er sich, dass niemand mehr behauptete, er sei schwul. Dann legte er sich auf die perlenbestückte Ottomane in einem seiner 1 000 Zimmer des Palastes und dachte ekelerfüllt darüber nach, wie abstößig sie doch waren, diese Schwulen, diese sexwütigen Homofürsten, die ihre muskulösen Körper aneinander rieben wie die Tiere, rhythmisch, ausdauernd und einfach nur geil.

Andreas Koristka

 

Kommentare 

 
#1 Rudolf Weigh 2015-02-11 06:51
Bravo Andreas Koristka! Mehr dieser herzerfrischend en Satyren!
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