Ich bin nur eine Blondie - aus Heft 1/2011

Zum Tee bei Kristina Schröder

Frau Schröder, wir haben mal einen Blick in Ihre Abitur-Zeitung geworfen ...


O Gott, jetzt kommt’s …

Nein, gar nicht. In der Abi-Zeitung ist alles o.k. – einen schicken Rock tragen Sie darin übrigens – aber Ihr Tagebuch, welches uns zugespielt wurde, gibt doch recht intime Details preis ...

Wie peinlich, fremde Männer im Besitz meiner privaten Aufzeichnungen ... Hoffentlich ist meine Handschrift gut lesbar?
01-11hennigerferIn der Tat ist sie an einigen Stellen recht schludrig.

Hihi, ich war eben nicht immer die gestandene Ministerin, die für Angela Merkel die Hosenanzüge ausleiert. In meiner Jugend war ich ein verrücktes Huhn, das wahrlich nicht jeden Tag seine Bleistifte spitzte und auch mal die Klassen-Lesbe gehänselt hat.

Haben Sie damals den Grundstein gelegt für Ihren Hass gegen Feministinnen?

I wo, ich weiß mittlerweile, dass weibliche Homosexuelle und Feministinnen nicht ein und dasselbe sind und kann sie unterscheiden. Beide haben zwar keine Männer abbekommen, aber die Feministinnen haben die längeren Bärte. Ich bemitleide sie deshalb. Hassen verbietet ja schon die Parteidoktrin der CDU.

Wie stehen Sie denn nun zu Alice Schwarzer?

Wissen Sie, moderne Frauen können feminin sein ganz ohne Feminismus. Das muss auch Frau Schwarzer endlich mal verstehen. Wir sind erfolgreich im Beruf, schmücken uns mit Hosenanzügen, fühlen uns auf Tupperpartys genauso heimisch wie in der CDU und haben Spaß daran, wenn unsere Männer uns schlagen ... Verzeihung ... mit uns schlafen.

In diesem letzten Punkt fühlt sich Frau Schwarzer missverstanden. In einem Brief an Sie schreibt sie, dass sie zwar 1975 in »Der kleine Unterschied« die »Funktion von Sexualität und Liebe bei der (Selbst)Unterdrückung von Frauen analysiert hat«, seitdem aber schon noch das »ein oder andere« veröffentlicht hat.

Dabei möchte ich allerdings betonen, dass wir keinen Zickenkrieg betreiben. Kaum streiten sich zwei Frauen oder lauern sich mit Schusswaffen auf, schon bemüht man unschöne Metaphern aus dem Tierreich wie »Zickenkrieg«, »Stutenbissigkeit« oder »Hähninnenkampf«. Das ist wirkliche Diskriminierung. Wie kommen Sie überhaupt in den Besitz meiner Post?

Egal, zurück zu Alice Schwarzer ...

Ich finde vieles, was in Frau Schwarzers Zeitung steht, richtig und wichtig. Die Kolumnen von Franz Josef Wagner lese ich regelmäßig, und es gibt diese herzerweichende und witzige Fortsetzungsbildergeschichte »Liebe ist, ...«. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass diese Rubrik Einzug in den Haushaltsunterricht junger Mädchen findet.

Liebe ist also vor allem, den Frühstückstisch zu decken, keine Widerworte zu geben, nicht zuzunehmen und die Kloschüssel auch mal mit einer Zahnbürste zu putzen?

Sehen Sie, das ist diese einseitige Sicht, gegen die ich mich verwahre. Wieso sollten diese Dinge heute noch Grundlage des Handelns junger Männer sein? Anders gefragt: Welchem Mann nützt es etwas, wenn er Haushaltsarbeit betreibt oder seine gewalttätige Natur einschränkt? Ich denke, wir sollten Männern endlich mal eine Chance geben.

Sie fühlen sich also auch als Männerministerin?

Ist das nicht die perfekte Emanzipation, wenn sich die Frauenministerin für die Belange von Männern einsetzt? Wenn sie sie schätzt und ihnen untertänigst und selbstverachtend zu Diensten steht?

Wir stellen hier die Fragen. Warum haben Sie bei der Heirat eigentlich den Namen ihres Mannes angenommen?

Also da müssen Sie ihn schon selbst fragen.

Und warum haben Sie als Familienministerin keine Kinder?

Hat der Finanzminister Geld? Ist der Gesundheitsminister gesund? Hat der Wirtschaftsminister eine Wirtschaft? Sehen Sie! Alles Fragen, die man uneingeschränkt mit ja beantworten kann. Ich werde daher bald eines bekommen. Vielleicht nenne ich es Helmut …

Danke, wir kennen die Geschichte mit dem Poster und finden sie reichlich unappetitlich.

Eigentlich war gar nicht Helmut Kohl auf dem Poster in meinem Jugendzimmer, sondern ein Elefant.

Jetzt hören Sie auf, das wird ja immer schlimmer.

Jetzt rüsseln Sie mich doch nicht gleich deswegen. Sie haben den gleichen verkrampften Umgang mit Sexualität, den ich auch Frau Schwarzer vorwerfen möchte. Kaum sagt man, dass man sich zu fetten Greisen hingezogen fühlt, schon schlagen Sie Alarm. Akzeptieren Sie doch endlich, dass es biologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, die so etwas rechtfertigen. Es ist eben nicht nur anerzogen, dass Männer mehr Bier trinken, lauter rülpsen und dümmer in der Schule sind. Deswegen sind sie aber noch lange nicht dümmer als Mädchen.

Auch nicht dümmer als Frau Schwarzer?

Doch! Quatsch, ich meine nein. Entschuldigung, ich bin nur eine Blondine. Wie war die Frage noch mal?

Sind Männer nicht dümmer als Frau Schwarzer?

Schwer zu sagen, die ist ja auch blond und unterstützt genau wie ich Angela Merkel. So muss das sein unter Frauen!

Aber sollte es in der Politik nicht vorrangig um politische Inhalte gehen?

Jawoll, und da möchte ich mir zugutehalten, dass ich ausdrücklich vor den Gefahren des Linksextremismus gewarnt habe und das auch immer wieder tun werde.

Was hat denn Linksextremismus mit Politik zu tun? Wenn man die Vertreter von ersterem so hört, hat man den Eindruck als ginge es dabei hauptsächlich um vegane Ernährung.

Nein, nein, da gibt es schon Parallelen. Unter den ersten Emanzen waren ja auch viele Veganer.

Wohingegen Sie sich nur für Kohl interessiert haben. Aber an dieses Thema wollen wir gar nicht erinnert werden. Uns ist übel genug. Vielen Dank für das Gespräch.

Ebenfalls.

Andreas Koristka
Zeichnung: Barbara Henniger

 

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