Helene, nicht von dieser Welt! – aus Heft 4/2014

HeleneHelene Fischer ist perfekt. Strahlend schön, mit einer Stimme wie Sphärenklang, die sogar von Haus aus dumpfe Schlager wie das Bachsche Air hell erklingen lässt, und einem Charme, dem kein menschliches Wesen widerstehen kann. Ihre Zähne funkeln wie glasierte Tafelkreide, ihre Haut ist so glatt wie eine Wachstuchdecke. Nicht ein Härchen sprießt ihr aus der Nase, nie stockt auch nur ein Tröpfchen Schweiß in ihrer noch immer quasi jungfräulichen Achselhöhle, und es gibt keinerlei Beweis, dass sie jemals eine Toilette benutzt hat.


Schon ihr Name ist göttlich. Helene, die Sonnenhafte, die Strahlende, die Schöne. Würde man an Übernatürliches glauben, man könnte meinen, sie sei nicht von dieser Welt. Aus der Unterwelt natürlich auch nicht, sondern eher aus einer, der die Gerüche in einem Regionalzugwaggon völlig unbekannt sind.

Ihre Aura zieht Horden von Menschen an, so wie die Sonne den Zug der Vogelschwärme lenkt und Lemminge zu Tausenden vom Fels in den Tod springen lässt, Menschen, die ihre pastellfarbenen Anoraks waschen und ihre Jeans bügeln, sich wochenlang von Dosensoljanka ernähren und sich schließlich in Busse pferchen lassen, um ihre Helene live zu erleben, ach was: zu atmen! Naht der Fischer-Termin, kommt es entlang der Tour-Route zur Spontanprostitution: Weibliche Fans bieten sich als »dralle Schlagernudel « oder »Birne Helene« feil, um sich die Billets zu erarbeiten.

Für alle anderen kommt sie direkt ins Wohnzimmer. Millionen verfolgen ihre Fernsehauftritte, wobei sie nicht selten das Schlucken oder das Atmen vergessen, einnässen oder hyperventilieren. Selbst wenn, was er regelmäßig tut, der verschlagen-schmierige Florian Silbereisen seine Griffel nach ihr ausstreckt, bleibt Helene in den Augen des Publikums rein. Ihr Glanz färbt offenbar auf den Widerling ab.

Zumal die Saga geht, Helene habe – ob aus Mitleid oder Eigennutz, sei dahingestellt – ein ausgewachsenes Wunder bewirkt, als sie den Silbereisen durch einen einzigen beindruckenden Akt von seiner schrecklichen Veranlagung heilte – durch einen Gesangs-Akt, natürlich. Allerdings wurde er deshalb auch nie als Zeitzeuge zum Fußballer Hitzlsperger befragt.

Helene kann alles. Sie schwebt als Akrobatin durch Konzerthallen (die Sicherungsseile sind nur Attrappen, um das Publikum nicht zu beunruhigen), trällert russische Balladen aus tiefster Seele und moderiert die Nebel in den Ruhestand. Angeblich werden ihre Tanzschritte von Rihanna und Justin Timberlake kopiert, will sich Britney Spears zu Helene ummodellieren lassen und trägt Angela Merkel heimlich Helenes ausrangierte Bühnenoutfits.

Doch Helene ist der Ruhm egal. Sie hat andere Ziele. Mit ihren Songs will sie sich tief in den Hirnen und Herzen ihrer Fans einnisten. Und ihre heilsamen Kräfte werden schon jetzt gezielt genutzt. Zur Vorbeugung erektiler Dysfunktion bei Senioren zum Beispiel. Man munkelt, es seien Komapatienten durch den Klang ihrer Stimme erwacht. Allerdings waren sie danach irgendwie verändert.

Doch nicht alle meinen es gut mit ihr. Helene Fischer ist ein begehrter Fang für die geldgeile Schlagermafia. Schon längst ist die reine Blume von Zuhältern umgeben, die versuchen, mit ihr Geschäfte zu machen. Es wurde unterstellt, ihr Manager Uwe Kanthak soll den MRD geschmiert haben, um Helene in die Shows zu bringen. Völliger Blödsinn. Eine Helene Fischer hat solche Tricks nicht nötig. Alle wollen sie. Für Wetten, dass..? war sie als Wunderwaffe an der Seite des Moderators im Gespräch. Aber Lanz soll den Intendanten gefragt haben: »Warum erschießt ihr mich nicht gleich?«

Sogar kleine Patzer wie bei der Bambiverleihung, die sie mit dem Echo verwechselte, perlen an ihr ab wie Wasser an einer Reptilienhaut. Auch hinter der Bühne ist die Fischer eine Superfrau. In dem Dokumentarfilm Allein im Licht präsentiert sie sich privat. Das heißt, in ihrer vollendeten Perfektion. Sie spricht mit einer auffallend langen Engelszunge und strahlt mit ihren smaragdgrünen Augen. Alle liegen ihr zu Füßen. (Das heißt, ihre Füße hat bisher niemand gesehen. Ob sie tatsächlich fünf Zehen an jedem Fuß hat, soll ein Mysterium bleiben.) Leute aus ihrem Team versuchen, sie heimlich zu berühren, sammeln ihre Plastikbecher, stehlen ihre Bürsten. Wenn sie sich von einem Stuhl erhebt, entbrennt ein erbitterter Kampf innerhalb der Crew, wer sein Gesäß in die warme Wölbung des Helene- Fischer-Hinternabdrucks setzen darf.

Nun drängt sich die Frage auf, wo kommt diese Lichtgestalt eigentlich her? Wer das deutsche Schulsystem durchlaufen hat, kann unmöglich so unverdorben und lieblich sein wie diese Helene. Angeblich besuchte sie eine Realschule in Wörrstadt. Dort begrüßt man sich mit »Fick deine Mutter« und hat den ersten Sex auf dem Schulklo. Nur ein Übermensch, oder vielleicht gar kein Mensch, bleibt davon unberührt.

Die kleine Helene soll in Sibirien das Licht der Welt erblickt haben. Ausgerechnet Sibirien! Hier sind schon einige Ufos vom Himmel gefallen. 1984 gebar ihre Mutter Maria das Wesen, und der Russlanddeutsche Herr Fischer nahm das Mündel auf, als sei es das seinige. Sie fütterten es mit rohem Fleisch und Blut und Unmengen von Baikal-Fisch, bis es in rasender Geschwindigkeit zu dieser menschlichen Form fand. Wer genau hinschaut, sieht in den Augen der Schönen die Iris eines Reptils aufblitzen. Und als ihr versehentlich beim Mainzer Sommerkonzert eine einzelne Brust aus dem Kleid fiel, kam grüne Schuppenhaut zum Vorschein. Es besteht kein Zweifel, sie ist ein Reptiloid. Nun ist es raus! Die Reptiloiden wollen bekanntlich die Weltherrschaft erringen. Liedtexte wie: »Diesen Schritt geh ich allein, möcht in tausend Herzen sein«, sagen alles. Das Geschöpf ruft zur Gefolgschaft für die Weltregierung auf: »Wir sind unzertrennlich, irgendwie unsterblich / Komm nimm’ meine Hand und geh’ mit mir.«

Wohin die Reise geht, ist nicht bekannt. Vor allem bleibt ein Rätsel, was die Reptiloiden mit all dem welken Fleisch der Schlagerfreunde anfangen wollen. Fressen kann man es nicht. Vielleicht reicht es, dass Helene Fischer ihnen das Hirn vernebelt und mental für den Tag X zurichtet: »Bis Wunder Wahrheit werden irgendwann / Und dann Vollgas in den Himmel Arm in Arm.«

Felice von Senkbeil
Zeichnung: Frank Hoppmann

 

 

Kommentare 

 
#1 langweilig 2014-04-17 11:12
langweilig!
Zitat
 

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