»Die Stimmung ist auch für die Todesstrafe«

RONALD POFALLA über sein Vergnügen am Bahnfahren, seine Sehnsucht nach sexueller Erfüllung, über Schröders Verrat und was Angela Merkel im Bett zu Jürgen sagen wird

EULENSPIEGEL: Herr Pofalla, wir sind überrascht, dass Sie ausgerechnet unserem Magazin …

Pofalla: Ich habe sofort zugesagt, als ich hörte, der SPIEGEL will ein großes Interview.

EULENSPIEGEL: Entschuldigung, aber wir sind …

Pofalla: Ich habe mich nicht einmal beraten! Mit wem denn! Ich habe ja keinen mehr! Ich darf seit einer Woche das Kanzleramt nicht mehr betreten. Im untersten Schreibtischschubfach liegt noch meine blaue Brotbüchse mit einer alten Käsestulle drin, aber das sage ich denen nicht! Denen nicht! Der SPIEGEL ist das Flaggschiff der Demokratie ...

EULENSPIEGEL: Das Sturmgeschütz ...

Pofalla: Das wissen Sie natürlich besser. Der SPIEGEL wird von Frau Dr. Merkel gelesen, der ich auf diesem Wege gute Besserung ... weil ich es ihr persönlich nicht mehr ...

EULENSPIEGEL: Bitteschön, ein Taschentuch. Geht’s wieder? Was würden Sie ihr denn gern sagen?

Pofalla: Dass es mir leid tut, verdammt noch mal! Dass da was schiefgelaufen ist! Ich hätte ihr das sagen müssen, dass es mich auf die Schiene zieht, gleich nach der Wahl.

EULENSPIEGEL: Was haben Sie ihr denn gesagt?

Pofalla: Dass ich eine junge Frau gefunden habe, eine richtige Granate im Bett.

EULENSPIEGEL: Und?

Pofalla: Da hat sie sich für mich gefreut, die Gute. Aber das war natürlich zu hoch gegriffen. Ich wünsche mir eine junge Frau, das ja! Und wie ich mir eine wünsche! Seit Jahren meiden mich die Frauen wie einen Krötenfurz. Der Bosbach ...

EULENSPIEGEL: ... den Sie einmal angebrüllt haben: »Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen und deinen Scheiß nicht mehr hören!«

Pofalla: ... der Scheißkerl hat es der Kanz - lerin dann gesteckt.

EULENSPIEGEL: Was denn?

Pofalla: Das mit der Silikonpuppe, aber das schreiben Sie bitte nicht. Da hat sie nur gelacht, die Chefin – sie ist eine wunderbare Frau und kennt das Leben. Erzähl mir doch nichts, Ronald, hat sie gesagt, du willst doch zur Bahn!

EULENSPIEGEL: Stimmt das?

Pofalla: Ja! Ich bin schon von Weeze, von wo ich gebürtig bin, nach Kleve immer mit der Bahn gefahren, obwohl ich den Bus hätte nehmen können! Du hast da doch schon die Vorstände platziert, die dich wählen sollen, Ronald, hat sie gesagt, und dem Grube hast du die Herrschaft über das europäische Schienennetz versprochen. Wenn du es nicht sogar verhökert hast. Die merkt einfach alles, die Frau! Der kann man nichts vormachen.

EULENSPIEGEL: Den Regierungssprecher hat sie aber so tun lassen, als kenne sie Sie nur flüchtig.

Pofalla: »Flüchtig« ist gut – eine kleine Pointe in dem Interview! Es war sogar nur der stellvertretende Regierungssprecher. Der hat gesagt, ein Herr Pofalla arbeitet hier nicht.

EULENSPIEGEL: Nein, er sagte, »ist hier nicht angestellt«. Dass Sie gearbeitet haben könnten, hat er nicht einmal erwogen.

Pofalla: Diese Leute sind Kreaturen, die nur eins kennen – ihre Karriere. Hätte er nicht von der Chefin ausrichten können: Der Herr Pofalla genießt das vollste Vertrauen der Kanzlerin?

EULENSPIEGEL: Sie hatten noch nicht mal das erste juristische Staatsexamen, da wurden schon erste Korruptionsvorwürfe gegen Sie laut. Ein Fäkalienentsorger in Kleve, Josef Schönmackers, bezahlte ihr Studium, und Sie halfen ihm mit ihren politischen Kontakten im Gemeinderat und in der Jungen Union. Ungefähr das Tätigkeitsfeld, das Sie auch bei der Bahn beackern wollen.

Pofalla: Aber damals ging es um Scheiße. Heute geht es darum, dass Millionen Pendler jeden Morgen pünktlich zu ihren Zeitarbeitsjobs und wieder in ihre Hütten kommen!

EULENSPIEGEL: Als Gerhard Schröder seine politischen Beziehungen in den Dienst von Gazprom stellte, haben Sie getobt.

Pofalla:Weil der Hund die Seiten gewechselt hat, zu den Kommunisten, zum KGB. Die Bahn ist ein deutscher Staatsbetrieb. Die hat größere strategische Bedeutung als die Bundeswehr. Die Füße sollte man mir küssen, dass ich ihr dienen will.

EULENSPIEGEL: Wir fürchten, sexuelle Erfüllung müssen Sie schon auf anderem Wege finden. Macht Geld glücklich?

Pofalla: Ich weiß gar nicht, um wie viel es sich handelt. Es ist sicherlich auskömmlich. Ich bin das Kind einer Putzfrau und eines Feldarbeiters, eines Tagelöhners. Ich bin im Wesen so bescheiden, dass ich meistens in Lokalen esse, wo nur ganz, ganz wenig auf dem Teller ist.

EULENSPIEGEL: Es sind 1,8 Millionen Euro im Jahr.

Pofalla: Im Jahr? Nun, das werde ich nachverhandeln.

EULENSPIEGEL: Kann es sein, dass der Deal noch platzt?

Pofalla: Ach wo, Ihre Leser machen sich ja kei ne Vorstellung, über welches Herrschaftswissen man als Kanzleramtschef verfügt. Das war schon bei der Jungen Union in Kleve so, ich wusste immer, wer mit wem. Darauf kann der Grube gar nicht verzichten.

EULENSPIEGEL: Aber die Stimmung ist gegen Sie!

Pofalla: Die Stimmung ist auch für die Todesstrafe. Und, haben wir sie?

EULENSPIEGEL: In China werden sogar lokale Funktionäre erschossen, wenn sie sich als korrupt erwiesen.

Pofalla: In China hat die Deutsche Bahn nicht mal einen Sackbahnhof.

EULENSPIEGEL: Sollen wir Ihnen den Text des Interviews zum Gegenlesen mailen, Herr Pofalla?

Pofalla: Ich sagte doch, ich komme nicht mehr in mein Büro.

EULENSPIEGEL: Nach Hause?

Pofalla: Sind Sie verrückt? Gratis für die NSA?


EULENSPIEGEL: Sie haben doch gerufen, die Bespitzelungsvorwürfe seien »vom Tisch«, die Affäre sei »beendet«.


Pofalla: Ja, ein schmutziger Job war das damals. Deshalb suche ich mir ja einen neuen. Und ich freue mich schon auf Montag, wenn die Chefin im Bett den SPIEGEL liest. Da wird sie zum Sauer sagen, Jürgen …


EULENSPIEGEL: Achim!


Pofalla: Jochen, wird sie sagen, wir dürfen dem Ronald aber auch nicht Unrecht tun.


EULENSPIEGEL: Herr Pofalla, wir danken Ihnen für das Gespräch

Mathias Wedel, Matti Friedrich, Atze Svoboda

 

 

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