Vom Haushaltsgeld zum betreuten Bumsen – aus Heft 01/2014

Wer hat recht – Alice Schwarzer (»Prostitution muss verboten werden!«) oder Christian Wulff (»Die Prostitution gehört inzwischen auch zu Deutschland. Das hat aber nichts mit meiner Ex-Frau zu tun!«)? Die gegensätzlichen Positionen scheinen verhärteter denn je. Wir sprachen mit Birke Wümme-Dottersagg (38) vom KKED, dem in Brachtenhagen an der Offer ansässigen »Kompetenzzentrum für kostenpflichtige Entspannungs- Dienstleistungen«, eine praxisorientierte Forschungseinrichtung, die aus Mitteln des Bundesministeriums für praxisorientierte Forschungseinrichtungen finanziert wird.


Frau Birke Wümme-Dottersagg, kennen Sie Alice Schwarzer persönlich?

Ja sicher. Von Vorträgen und gemeinsamen Veranstaltungen. Manchmal kommt sie auch bei uns vorbei und liest in der Reihe »Trockengebiete« die Seitenzahlen aus der Emma vor. Als Zugabe einmal auch schon das Impressum.

Was halten Sie von Frau Schwarzers Forderung, die Prostitution zu verbieten?

Hat sie das so gesagt?

So und anders. Aber vor allem so. Was uns interessiert: Wie verträgt sich diese Forderung mit der gesellschaftlichen Realität? Jeden Tag gehen in Deutschland 400 000 Frauen anschaffen! Jeden Tag bedienen sie 1,3 Millionen Freier! Über 120 Millionen Euro Umsatz macht das Gewerbe am Tag!

Wo haben Sie denn diese Zahlen her?

Ausgedacht.

Nun, die von meinem Institut ermittelten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Danach gehen jeden Tag in Deutschland 400 000 Frauen anschaffen, bedienen 1,3 Millionen Freier und machen damit über 120 Millionen Euro Umsatz. Aber wir wollen uns nicht über Fakten streiten …

…, sondern der Frage nachgehen, ob Alice Schwarzers Forderung berechtigt ist! Ist sie das?

Ja und nein! Auf der einen Seite ist Prostitution natürlich etwas, was vor allem Männer nutzen. Auf der anderen Seite gehört das Prostitutionsgewerbe zu den wenigen Wirtschaftszweigen mit einer schon heute akzeptablen Frauenquote.

Interessanterweise sind aber auch die meisten Männer für die Abschaffung der Prostitution. Sofern es dabei bleibt, dass sie jederzeit für Geld Sex haben können.

Ja, es heißt ja immer: Sex für Geld, igitt – doch was ist daran eigentlich so schlimm? Wenn die Bezahlung für Sex »Haushaltsgeld« heißt, regt sich doch auch keiner auf!

Ein weites Feld! Treibt die Ehe die Männer in die Arme der Prostituierten?

Ja, vor allem montags.

Wieso gerade montags?

Die Frage stellen wir uns auch! Montags gibt es im Schnitt 80 000 Bordellbesuche mehr als an anderen Wochentagen! Früher hieß es, weil montags die meisten Museen geschlossen haben.

Die Museen?

Richtig, die Museen! Ein ganz entscheidender Faktor, dachte man immer. Weil dann die ganzen Museumsdirektoren frei haben.

Und die nutzen die freie Zeit, um ins Bordell zu gehen?

Dachte man immer. Dank einer empirischen Studie ist allerdings inzwischen belegt, dass Museumsdirektoren praktisch nie die Schließtage für einen Bordellbesuch nutzen. Sondern die Mittagspause!

Und Mittagspause ist ja nicht nur Montag!

Richtig! Was wir allerdings nicht beantworten konnten, ist die Frage, wo hierzulande 80 000 Museumsdirektoren herkommen sollen!

Nun, die deutsche Museumslandschaft ist vielfältig. Man denke nur an das absolut sehenswerte Angebrannter-Grießbrei-Museum Schlenstedt oder das Deutsche Komma-Museum in Bad Wurzel! Aber zurück zum Ausgangspunkt: Die meisten Bordellbesucher sind verheiratet! Warum machen diese Männer das?

Weil ihre Geliebte gerade keine Lust hat oder mit ihrem Mann im Urlaub ist! Aber grundsätzlich gilt, dass glücklich verheiratete Männer – oder überhaupt Männer, die in glücklichen Beziehungen leben – eher treu sind als andere.

Wahre Worte! Es gibt da diese Initiative, die auch von Ihnen unterstützt wird, und da geht es um den Zusammenhang von Ehe und Prostitution.

Ja, Sie sprechen von der Initiative Homefucking kills prostitution! Zu deutsch: »Häuslicher Verkehr macht dem Bordell das Leben schwer!« Eine Betroffenen-Initiative, bei der es um den Erhalt von Arbeitsplätzen geht. Sex-Arbeiterinnen werden ja nicht für voll genommen. Wenn irgendwo ein Opel-Werk schließt, weil die Leute ihre Autos lieber bei VW oder Toyota kaufen, dann ist die ganze Politik auf den Beinen. Aber wenn der Club Bijou oder die Villa Aphrodite vor der Insolvenz stehen, weil die Männer die dort Tätigen mit ihren Ehefrauen hintergehen, dann regt sich niemand auf.

Es wird Zeit, dass wir uns einmal mit den – wie Sie es nennen – »dort Tätigen« befassen. Was sind das für Frauen?

Es sind, vereinfacht gesagt, Frauen wie du und ich. Im Idealfall selbstbestimmt, unabhängig und gut bezahlt. Nur mal zum Nachdenken: Würde der dort übliche Mindestlohn in anderen Branchen gelten, würden die Unternehmerverbände Amtshilfe bei al-Qaida anfordern! Das Lebensziel dieser Frauen ist eine kleine Boutique in guter Lage oder der nächste Schuss Heroin. Das sollte man akzeptieren.

Prostitution gilt als das älteste Gewerbe der Welt. Wie macht man es fit für die Herausforderungen unserer Zeit?

Dazu haben wir in interdisziplinärer Projektarbeit verschiedene Vorschläge entwickelt, und zwar: Weg von den Autobahnzubringern und Stadträndern, und rein ins Leben! Mobile Entspannungsteams bei Großereignissen, wie Fußball-WM, Wahl des Bundespräsidenten oder Kirchentag, sind eine Antwort auf die Eventisierung des Lebens. Spaß und Sex müssen keine Gegensätze sein!

Gibt es erste Erfahrungen?

Bereits bewährt haben sich neue Dienstleistungen wie der Blowjob to go, die Vögel-Flat und, angesichts einer alternden Gesellschaft, das betreute Bumsen. Viele Kunden, die anfangs skeptisch waren, zeigten sich hinterher sehr angetan. Eine Ihrer Ideen hat ja inzwischen sogar die Politik erreicht!

Ja, Sie meinen den Vorschlag der Grünen für einen wöchentlichen Fuckie-Day. Die Idee ist ursprünglich von uns!

Eines von vielen Problemen in diesem ja doch etwas sensiblen Bereich ist die Zuhälterei. Ja, in der Tat. Andererseits kommen viele Zuhälter aus schwierigen Verhältnissen, hatten eine schwere Kindheit. Manche mussten in einem Reihenmittelhaus mit ausbaufähigem Dachgeschoss aufwachsen. Doch auch hier haben wir einen Vorschlag entwickelt.

Und der wäre?

Sie werden einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und auf den Strich geschickt!

Wo bleibt da der Resozialisierungsgedanke?

Nun, erste Erfahrungen besagen, dass sich diese Personen schon nach kurzer Zeit nichts sehnlicher wünschen als eine kleine Boutique in guter Lage!

Vielen Dank für das Gespräch!

Robert Niemann

 

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