Wie viel Göring steckt in Gauck? – aus Heft 11/2013

Wir als sein Volk kennen ihn ausschließlich als den Mann, der im Alleingang die Mauer niedergerissen und den Menschen der DDR die Freiheit geschenkt hat. Wir kennen ihn als den Mann, den wir aus tiefster Überzeugung heraus, in Gestalt der Bundesversammlung und im zweiten Versuch – nachdem wir fälschlicherweise zwei Jahre zuvor dachten, der Wulff sei das bessere Staatsoberhaupt –, zu unser aller Präsident erkoren haben. Und wir kennen ihn als den Mann, der uns diese Zögerlichkeit, ihn erst im zweiten Anlauf gewählt zu haben, als Christ und Mensch und dufter Spitzenkumpel verziehen hat, ohne uns dafür im tiefsten Innern zu hassen, auf dass wir alle verrecken mögen, dahingemeuchelt von seinem Protestantengott, zu dem er jeden Tag ehrfürchtig betet wie ein kleines weinerliches Kind.


So kennen und so lieben wir unseren Bundespräsidenten! Doch seit geraumer Zeit werden schmutzige Gerüchte über Joachim Gauck in Umlauf gebracht. Selbst überkritische Topjournalistenmagazine wie der Spiegel (»Joachim Gauck – der bessere Präsident«, »Joachim Gauck: Ein deutscher Obama?«, »Super-Gauck«) streuen Legenden über Gaucks Geisteszustand und seine sexuelle Orientierung (»homosexuell«!). Und in der Bunten behauptet ein Cousin Gaucks unwidersprochen, Gauck sei »ein Schreikind« gewesen, und fügt an: »Er war völlig verfressen und wollte immer meine Portion haben.«
Dürfen Medien so mit ihrem und unser aller Staatsoberhaupt umgehen?

Hätten all diese sogenannten Journalisten Joachim Gaucks Worten gelauscht, wüssten sie: Nein, das dürfen sie nicht. Zwar haben sie die Freiheit, derartige Gemeinheiten zu schreiben, doch haben sie auch die Verantwortung, es zu unterlassen. An diesem Punkt geziemt es sich für ein seriöses Nachrichtenmagazin, kurz innezuhalten und selbstkritisch zu sein: Ja, auch der EULENSPIEGEL muss sich vorhalten lassen, schon das ein oder andere Mal erklärt zu haben, der Geisteszustand Joachim Gaucks sei eher so lala. Doch selbst wir haben uns immer mit Hitlervergleichen zurückgehalten, und dass Gauck sich als junger Mann mehrere Monate lang in einer Nervenklinik behandeln ließ, ist tatsächlich die einzige nachweisbare Parallele zu Hermann Göring und sagt nichts über Gaucks aktuelles Befinden obenrum. Mittlerweile ist Joachim Gauck völlig genesen und ein Segen für uns und unsere Freiheit (in Verantwortung).

Jochen, wie ihn alte Freunde aus für alle anderen nicht nachvollziehbaren Gründen nennen, hat die Gerüchte durchaus mitverschuldet, indem er Termin um Termin absagte, um mit einem Biografieschreiber über den Menschen zu reden, der Joachim Gauck der liebste von allen ist. So erfuhr das Volk, dass Gauck der Posten als Grüßaugust der Nation langsam zu viel ist. Ein Umstand, der seinen Zorn entfacht, den dann immer wieder Leute zu spüren bekommen, die überhaupt nichts dafür können. Leute zum Beispiel, denen er beim Überreichen irgendeines Verdienstordens spontan und herzlich, wie es seine Art ist, an die Gurgel geht und stundenlang ganz fest knuddelt.

Nachvollziehbare, aber dennoch außerprotokollarische Lässlichkeiten, die bei ausländischen Diplomaten regelmäßig für Irritationen und schwere Traumata sorgen. Womit ein weiteres Gerücht zu erwähnen wäre, von dem überall zu lesen ist: Schusseligkeit. Schusselig sei Gauck schon zu seiner Zeit bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gewesen, kolportiert die neueste Biografie. Jogi Gauck, wie ihn Leute nennen, die ihn mit jemand anderem verwechseln, habe seine Haustürschlüssel bei der Kontrolle am Flughafen liegenlassen, habe seine Aktentasche im Taxi vergessen und einmal sogar seine Stasi-Akte geschreddert, verbrannt und die Asche vor lauter Schusseligkeit über dem Atlantik verstreut. Ein Versehen, das jedem passieren kann.

Diese »Schusseligkeit« gereicht ihm deshalb nicht zum Nachteil, sie ist vielmehr eine weitere liebenswerte Eigenheit, für die ihn das deutsche Volk so verehrt. Denn wie die Bunte richtig vermerkt: Gauck »ist bei den Bürgern sehr populär – auch weil er ein Mann mit Ecken, Kanten und Fehlern ist«, schließlich sind Leute mit Fehlern immer sehr populär. Die mit den größten Fehlern – Hitler sei hier extra nicht erwähnt – sind immer sogar die Populärsten, die ohne Fehler dagegen die Unpopulärsten, Gauck also naturgemäß der Populärste von allen.

Und das als Deutscher! Als solcher hat er vor einiger Zeit in Frankreich den letzten Überlebenden eines von Deutschen verübten Massakers in den Schwitzkasten genommen und dabei beteuert, dass die Deutschen sich gebessert hätten, und, was die Aufarbeitung des Massenmords betrifft, betont: »Dem Ergebnis der Staatsanwaltschaft Dortmund möchte ich nicht vorgreifen.«

Bei so viel Gefühlsduselei mussten die Franzosen ihm und uns Deutschen einfach verzeihen. Hinzu kommt, dass Gauck bei derartigen Gelegenheiten immer dieses liebenswürdige, zerknautschte Gesicht macht, das aussieht, als hätte irgendjemand immer wieder ganz fest mit verschiedensten harten, stumpfen Gegenständen darauf eingedroschen, was freilich nie passiert ist. Zum Glück!

Was hätte er mit einem weniger attraktiven Gesicht sonst für eine Wirkung auf die Frauen gehabt? Ein weiterer, lächerlicher Anwurf der Schmutzpresse. »Er kann unheimlich flirten«, wird sein Biograf zitiert. Manche sagen, er könne sogar gruselig flirten. Seit Heinrich VIII. habe kein Staatsoberhaupt einen so großen Frauenverschleiß gehabt wie Gauck, wird behauptet.

Ein Vergleich mit Joseph Goebbels verbietet sich von selbst. Doch seien wir mal ehrlich, so unter uns Frauen: Jürgen Gauck, wie ihn die Frauen nennen, sieht gut aus. Auch wenn die Miesmacher von Spiegel (»cholerisch«), Bunte (»eine Macke«) und Superillu (»begnadeter Redner«) lieber über die fragwürdigen Eigenheiten Gaucks berichten, sei hier festgehalten: Für sein Alter ist Gaucks Gesäß vom vielen Hin-und-her-Gehen auf roten Teppichen in recht griffigem Zustand. Ein Fakt, den die Klatschpresse geflissentlich verschweigt. Jetzt ist es an Günni Gauck, wie er an dieser Stelle genannt wird, das Gerede über sein Oberstübchen aus der Welt zu schaffen und seine Verleumder seinen heiligen Zorn spüren zu lassen.

Vorerst tat er dies nur verbal. Unter der Überschrift »Die Freiheit in der Freiheit gestalten« (anstatt etwa umgekehrt, wie es fälschlicherweise oft praktiziert wird) gab er seinen Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit Ausdruck, indem er abschließend feierlich verkündete: »Eine Verheißung wird uns zur Gewissheit: Wir müssen glauben, was wir konnten. Dann werden wir können, woran wir glauben.« – Worte der Wahrheit und der Tiefe, die auch quer- und rückwärtsgelesen ihre Richtigkeit behalten und beweisen: Alle Gerüchte sind Lüge! Dieser Bundespräsident ist geistig voll auf der Dings.

Gregor Füller

 

 

Kommentare 

 
#4 jason 2014-05-15 00:29
Quoting Mario Mues:
Danke für dieses Portfoio,
habe herzhaft gelacht. Ich kenne diesen Herrn nicht persönlich, muß aber gestehen, daß mir diese kryptischen pseudo-protestantische n Phrasen auch ziemlich auf den Wecker gehen. Er redet, so denke ich, wie so viele im Apparat "Politik" am Volk vorbei.- Weiter so schön satirisch bleiben, Herr Füller!

Tut er nicht, er redet überhaupt noch niemals. Dies tat man in einem Stadtbezirk der sich konvertierte zu einer nicht
Zitat
 
 
#3 jason 2014-05-15 00:26
Der Mann kennt Einrichtungen aus Meißen noch sein eigen.
Zitat
 
 
#2 Oliver Achnitz 2014-04-08 17:50
TOP! Habe mich echt totgelacht. So gut hat noch niemand Joachim Gauck charakterisiert . Für mich ist er einfach die schlimmste Nervensäge überhaupt in Deutschland...
Zitat
 
 
#1 Mario Mues 2013-10-24 09:11
Danke für dieses Portfoio,
habe herzhaft gelacht. Ich kenne diesen Herrn nicht persönlich, muß aber gestehen, daß mir diese kryptischen pseudo-protestantische n Phrasen auch ziemlich auf den Wecker gehen. Er redet, so denke ich, wie so viele im Apparat "Politik" am Volk vorbei.- Weiter so schön satirisch bleiben, Herr Füller!
Zitat
 

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