Die wie am Schnürchen tanzen und beten kann – aus Heft 11/2013

katgoeeckEs hätte so schön schmecken können, wenn der Wähler artig mitgespielt hätte! Doch statt die Grünen anständig mit Stimmen zu füttern, ließ er sie in den Urnen verhungern, schenkte ihnen statt der versprochenen dicken 15 Prozent nur dünne 8,4. Und während Renate Künast, Claudia Roth und Jürgen Trittin sich vor den auf Vollgas laufenden Kameras der Rundfunkanstalten ins nackte Schwert stürzten, drehte im Bühnenhintergrund eine andere unschuldig ihre Däumchen: Katrin Göring-Eckardt.

Dabei stak sie, die im November 2012 gegen alle seit Jahrhunderten eingefahrenen Regeln der Logik und der Weltordnung überraschend zur Spitzenkandidatin gesalbt worden war, selbst bis über beide Ohren drin. Gerade sie, die Tanzlehrertochter mit dem fünften Sinn für den gut anzufühlenden Benimm, die halbstudierte Theologin mit dem Geruch bücherbasierter Bildung, die brave Pastorengattin aus der Thüringer Provinz, sie trug daran Schuld, dass die Grünen auf den Stimmzetteln absoffen. In Göring-Eckardts mausgrau solider Person sollte das wertkonservativ geeichte und zugleich modern polierte Bürgertum eingeseift und aufs grüne Konto umgebucht werden. Aber das wählte lieber wie seit Anbeginn der Menschheit das noch weiter rechts getackerte Original.

Eine Katrin Göring-Eckardt, die am Schnürchen tanzen und beten kann, hat die sauber gebügelte bürgerliche Klientel vielleicht sogar bis tief in die Eier verstört. Denn der Bürger will festen Boden unter seinen Meinungen, aber welche Gesinnung in Kat. Göring-Eckardt ihren dauernden Wohnsitz hat, weiß niemand. Im Wahlkampf 2013 gab sie auf offener Straße die Sozialpolitikerin, die für die Armen ein weit offenes Herz in petto hat und sie mit warmen, aus Bibel, Christentum und Kirche gezapften Worten versorgt. Zehn Jahre zuvor, als der Zeitgeist aus der anderen Richtung pfiff, verfocht sie als grüne Fraktionschefin mit glühenden Backen die Agenda 2010 und holte bei der Gelegenheit gleich die Forderung mit aus dem Koffer, der staatlich gefütterten Pflegeversicherung die Luft rauszulassen, damit neben den Arbeitslosen auch die Alten in den herrlichen Genuss dieser »revolutionären Umbruchphase« (O-Ton KGE – wie sie sich gern nennen lässt, und was wie eine Premium-Marke klingen soll) kommen. Mit alledem lief sie freilich auch der Mittelschicht über die Leber, in der mit einem Mal bleierne Angst vor dem Absturz ins soziale Loch emporwuchs.

Die Nase nach dem Wind drehen: Das beherrscht Kat. Gö.-Eck. wie aus dem Nähkästchen. 1966 im thüringischen Friedrichroda zum Vorschein gekommen, reifte sie in Gotha zur FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda aus – ein Handwerk, das ihr später beim revolutionären Kampf für die Hartz-Reformen zunutze kam. Als aber die DDR löchrig wurde, schloss sie sich keine Zehntelsekunde zu früh der schon breit angeschwollenen Opposition an, wobei sie sich vorsichtigerweise nur einer kirchlich infizierten Gruppe beigesellte. Ab 1990, nachdem der SED-Staat vollends porös geworden war, baute auch sie sich endgültig um und fügte sich passgenau den neuen Verhältnissen ein. Sie wurde bis in die Fingerspitzen grün, weil man in dieser Partei seine Meinung wie seinen Schlüpfer jeden Monat wechseln kann, setzte sich 1998 mit dem Hintern voran im Bundestag fest und votierte, weil sie einst unter dem Label »Solidarische Kirche und Frauen für den Frieden« gestartet war, gleich als Erstes solidarisch für den Krieg gegen Serbien. Als schlaue Theologin weiß sie ja, dass für die Gemordeten das gute Leben nach dem Tod bereitsteht. Und siehe, Joseph Fischer erkannte die geistig ähnlich Möblierte und boxte sie 2002 zur Fraktionsführerin hoch.

2005 indes stülpte sich der Wind um. Der Fraktionsvorsitz ging mit Siebenmeilenstiefeln flöten, im Parteirat der Grünen wurde sie kalt ausgemustert, der Landesvorsitz in Thüringen rutschte ihr unter ihren drei Buchstaben weg; KGE schnurrte auf Erbsengröße. Da aber suchte sie kirchlich gebackenen Trost, ließ sich 2009 zum Präses der EKD-Synode weihen und 2011 zur Kirchentagspräsidentin krönen. Bis im November 2012 wie von Gott, dem großen Moppel, eingefädelt die erneute Wende kam.

Wohin wird die Zukunft gehen? Klar ist und jedem aufs Butterbrot geschmiert sei: KGE kann nichts, weiß nichts und das macht nichts, weil sie Politikerin ist. Sie frisst jede gerade zirkulierende Zeitstimmung mit Löffeln, hat sich durch alle Ecken und Kanten der Universalgeschichte nach vorn gemerkelt und wird niemals aus freien Stücken aufhören, weil für die arbeitslose Ungelernte draußen in der Welt ihr persönliches Hartz IV grinsend lauert. Oder aber New York! Klar war, dass sie im Ringkampf um den wieder greifbar nahen Fraktionsvorsitz Kerstin Andreae mattsetzen würde. Von der heißt es, dass sie wie ihr Ziehpaps Winfried Kretschmann nahe bei den Bonzen siedelt, also beste Chancen auf den Siegeskranz hatte. Aber auch KGE hatte selbstverständlich eine Referenz im Gepäck, weil sie sich seinerzeit Arm in Arm mit einem gefährlichen Organismus, der auf den Namen Wolfgang Clement hörte, für den als »Senkung der Lohnnebenkosten« bezifferten Beutezug einsetzte, damit die Arbeiter und Angestellten ihrem Unternehmen was von ihrem fetten Gehalt abgeben. Diese Reputation verfing natürlich an der Basis.

Sollte Katrin Göring-Eckardt dennoch eines Tages untergehen: Schon die 16-Jährige legte regelmäßig ihre sieben Groschen zurück, um als Rentnerin das oben genannte New York anzufliegen. Inzwischen könnte sie genug beisammen haben, um für immer dort zu bleiben.

Peter Köhler
Zeichnung: Frank Hoppmann

 

 

Kommentare 

 
#2 Michael 2015-10-20 19:12
Gratulation zu diesem tollen und sprachlich grandiosen
Artikel. Sowas toll Entlarvendes sollte man öfter lesen können. Auch das Bild finde ich cool. Meines Wissens ist
KGE so ziemlich die Einzige Frau, die trotz fünfjährigem
abgebrochenem Theologiestudiu m u. ohne weitere Ausbildung monatlich über 10000 € verdient! Und so eine
will ein "Gutmensch" sein...
Zitat
 
 
#1 Anja 2013-11-04 21:07
Klasse! So richtig auf den Punkt gebracht, was das für ne Nulpe ist, vor ihrer Zeit hatte ich auch einige Male grün gewählt, aber kge vertreibt mit Dummheit und Ignoranz eine Menge Wähler
Zitat
 

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