Feiner Kacken – aus Heft 5/2013

feinerkackenAusgerechnet Thomas de Maizière, Muttis wandelnder Waffenstillstand, der Augentrost aller alterssentimentalen Militaristen (sein Papa, der Ulrich, hat mit dem GröFaZ Adolf in der Wolfsschanze am Lagetisch gefachsimpelt)! Bei der Truppe hat der verschissen, und zwar bis in alle Zeiten. Bei den Kameraden heißt er nur noch »der Linienscheißer«. Ein Wort, das schon unsere Urgroßväter im Felde gebrauchten. Bei Ernst Jünger (In Stahlgewittern) heißt es: »Der Kompaniefeldwebel war ein rechter Linienscheißer. War er zu faul oder fuhr ihm die Angst ins Gedärm? Jedenfalls benutzte er nie die doch hinlänglich solide gezimmerte Latrine, die nach fünfzig Metern zu erreichen war, sondern schiss gleich hinter den Graben.«

Für Jünger war klar: Wenn in einem Krieg elementare Kulturtechniken, wie beispielsweise die Trennung von Koten und Essenfassen, ohne wirkliche Not aufgegeben werden, ist er verloren. Dann hat der Deutsche dem Franzmann an Moralität nichts mehr voraus. Recht eigentlich steht und fällt mit der Art des Abstuhlens sogar die Legitimation des Krieges: Wenn man nicht feiner kackt als der Franzose, ist es egal, wer fällt und wer überlebt – es geht dann nur noch um die Reihenfolge.

Seit dem Deutsch-Französischen Krieg gab es fürs kaiserliche Heer eine unter der Federführung Helmut von Moltkes ausgearbeitete Latrinenordnung. Sie sah u. a. vor, dass die Klos, wie provisorisch auch immer (der Donnerbalken ist eine deutsche Erfindung, man kennt ihn in vielen Sprachen kriegführender Völker), als erstes zu errichten waren – noch vor den Unterkünften, Waffenkammern, Med.-Punkten, Bordellbaracken usw.! Und was macht der Bundesverteidigungsminister? Er schickt 350 Soldaten, darunter Frauen, mit schwerstem Gerät (Raketen) in die Südtürkei, an die Grenze zu Syrien; die kommen tief in der Nacht an, nachdem sie mehrmals von umgedrehten Wegweisern in Sackgassen und an den Rand von Wasserfällen gelockt worden waren, und wollen – was Helmut von Moltke vorausgesehen hatte – erst mal aufs Örtchen, und zwar dringend!

Was sie vorfanden, hat der Minister, als er sich später selbst ins Gefechtsgebiet bequemte, als »kleine Unzulänglichkeiten« ausgemacht. Der Bundeswehrbeauftragte Königshaus sprach in einem Hilferuf ans Parlament – immer noch zart – von »unhaltbaren Zuständen«. Ein Feldpostbrief nach Hause, den die Märkische Oderzeitung nicht gedruckt hat, schildert die Lage so: »Auf die Frage, wo man sich ›mal kurz frisch machen‹ könne – was überall in der Welt als ›Ich muss mal kacken‹ verstanden wird – wiesen unsere osmanischen Gastgeber auf ein etwa 10 mal 10 Meter großes stinkendes Areal, in welchem Küchenabfälle, tote Hundewelpen, Geflügelknochen usw., allerdings keine Leichen schwammen. Sie nannten es ›türkische Toilette‹. Der Rand der Grube war unbefestigt, einige verfehlten ihn. Es gab keine Haltestangen o. ä., so dass sich die Kameraden beim Scheißen abwechseln und gegenseitig festhalten mussten. Einige Soldatinnen, vor allem die, die noch nie geweint hatten, weinten. Daraufhin wandten unsere türkischen Bewacher diskret die Blicke ab, das muss man zu ihrer Ehre sagen.«

Als die Mannschaften sich endlich erleichtert hatten, konnte der Krieg beginnen – in- und außerhalb des Feldlagers. Der türkische Kommandant befahl, dass sämtliche deutsche Symbole zu verschwinden hätten bzw. abzudecken seien. Einige unserer Jungs hatten, verspielt wie sie sind und wie sie es von ihren Großvätern aus den Blitzkriegen kennen, Schilder ihrer Heimatorte dabei – »Döbeln« und »Wilhelm-Pieck-Stadt Guben«. Die mussten sie in die Sickergrube werfen.

Außerdem galt ein Kontaktverbot bzw. waren Kontakte nur noch insoweit erlaubt, wie sie in einem Kriegsgefangenenlager unumgänglich sind. Sie verliefen überwiegend nonverbal, denn Liebende brauchen keine Worte: Die Türken verkloppten ihre Gäste bei jeder Gelegenheit, beispielweise wenn sie joggen wollten oder just an dem Tag, als ihr Minister zu Besuch kam. Der bescheinigt seinen Unterstellten gern, dass »die Bundeswehr kein Ponyhof« sei, was sinngemäß wohl auch für eine türkische Kaserne gilt, und fordert sie auf, nicht so »wehleidig« zu sein. Vielleicht vermutete er in der Bitte der Soldaten, doch wenigstens einen preußischen Donnerbalken im Lager einzurichten, gar nicht das Bedürfnis, ihre Fäkalien loszuwerden, ohne in der »türkischen Toilette« zu ersaufen, sondern »den oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung«. De Maizière ist nämlich nicht nur Inhaber der obersten Befehlsgewalt. Er ist auch der ranghöchste Tiefenpsychologe seiner Truppe, der er gern zuruft: »Hört endlich auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren!«

Inzwischen logieren unsere Kämpfer im Hotel in Iskenderun mit Wasserklo auf dem Flur – an der Errichtung ihrer militärischen Unterkünfte wird so intensiv gebaut, wie man es vom Berliner Flugplatz kennt. Aber ein Touristenleben ist das nicht, im Gegentei. In Iskenderun ist es wahrscheinlich zur Zeit gefährlicher als in Afghanistan.

Wenn die Soldatinnen und Soldaten auf die Straße (innerhalb einer Sicherheitszone) gehen, werden ihnen aus dem Hinterhalt Plastetüten über die Köpfe gestülpt, in denen sonderbares weißes Pulver enthalten ist – Anthrax, Rattengift, Kokain? Anschließend gucken sich die türkischen Verbündeten die Szenen auf Youtube an und lachen darüber, wie die bestäubten Deutschen aus den Tüten krauchen. Zwar patrouillieren deutsche Feldjäger, die ihre Kameraden schützen sollen. Denen sind aber jegliche Waffen verboten. Nach Rücksprache mit dem türkischen Kommandanten dürfen sie jedoch Angreifern mit dem Fingerchen drohen.

Warum die Bundeswehr in der Türkei ist? Damit der Syrer nicht nach Istanbul durchmarschiert! Was allerdings alle Militärs und Politiker (einschließlich des Ministers), die sich dazu geäußert haben, für so wahrscheinlich halten, wie dass es zu Pfingsten Eierkuchen schneit.

Kürzlich gab der Minister noch einmal einen Lagebericht zum Besten. Er war heiter, denn er konnte verkünden, für die Deutschen sei »Krieg zunehmend eine Normalität« geworden. Krieg gehört eben zum Leben dazu, das bekanntlich auch kein Ponyhof ist. Das wussten schon unsere Ahnen, die ganz normal zwei Weltkriege durchgeführt und auch nicht dauernd mit dem übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung übertrieben haben.

Auch das Erzeugen von Gefallenen und das Vorhandensein von Verstümmelten zählte der Minister zur deutschen Normalität. In dieser Hinsicht muss ihn der Einsatz an der syrischen Grenze allerdings bisher enttäuscht haben.

Mathias Wedel

 

Kommentare 

 
#3 Max 2013-05-16 17:39
Sehr treffsicher formuliert.
Am besten gleich per Sonderfeldpost an das BMVg schicken. Vielleicht wachen dadurch endlich mal ein paar Leute dort auf!
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#2 Schulze 2013-05-11 18:36
Habe köstlich gelacht.Danke liebe Eule!!!
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#1 Franz 2013-05-03 19:01
.. und wo darf ich lachen ? Reich mir den Wedel, Mathias !
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