Merkels Angstgegner – aus Heft 4-2013

Nach dem überwältigenden Wahlerfolg der Partei des Komikers Beppe Grillo in Italien, ziehen nun deutsche Spaßmacher nach und gehen ebenfalls in die Politik.

Mario-Baath-Partei (Baath)

Parteispitze: »Europäische Finanzstabilisierungsfazilität! Kennste, kennste? Haha! Wat ne Scheiße, wa? Schaff ick ab, schaff ick allet ab!« Mit solchen Sätzen eckt Barth regelmäßig im politischen Berlin an. Vor allem attackiert er die Finanzpolitik der Regierung: »Die Merkel, ey! Kennste, kennste? Haha. Immer sooo die Mundwinkel, immer sooo nach unten. Und dann ihre Handtasche. Handtasche? Kennt ihr, oder? Handtasche.« Knallharte Argumente, die einen spannenden Wahlkampf versprechen.

Ziele: Neben einer strengen Reglementierung des Schuhhandels ist vor allem die Gleichstellung von Mann und Frau eine Herzensangelegenheit Barths. Er ist für die Einführung einer Quote, die regeln soll, wie oft eine Frau im Jahr Migräne vorschützen darf. Außerdem sollen Frauen nur dann ein Kraftfahrzeug steuern dürfen, wenn sie in der Lage sind, den Keilriemen für die Hydraulikpumpe ein- und auszubauen.

Prognose:: Trotz massiven Widerstands der Lobby des Schuhverkäufer- Verbands: 11 Prozent.



Ladyknaller-Partei

Parteispitze:
Mit einem außenpolitisch äußerst mutigen Statement machte sich die Komikerin Anke Engelke bereits beim letztjährigen Eurovision- Song-Contest in Baku einen Namen. »Es ist gut, eine Wahl zu haben «, sagte sie in einem Studio in Hamburg und schob auch gleich eine Drohung an das Fernsehpublikum in Aserbaidschan hinterher: »Europa beobachtet dich!« – Seitdem gilt Engelke in deutschen Medien als Tyrannenschreck und bedeutendste Verfechterin der Menschenrechte.

Ziele:
Eine Ansprache an Benjamin Netanjahu hat Engelke, sollte sie Kanzlerin werden, schon ausgearbeitet: »Deutschland weiß, was du letztes Jahr getan hast, Israel.« Und für das nordkoreanische Volk wird bald eine Zeit des Wohlstands kommen, denn Engelke plant, Kim Jong Un mal ordentlich den Kopf zu waschen: »Kim Jong Un, du kleiner Wicht. Mit der Bombe willst du doch nur was kompensieren, oder? Ist doch so!«

Prognose: 31 Prozent. – Für Politiker, die wohlfeile Ratschläge an Ausländer und vor allem Juden erteilen, hat der deutsche Wähler immer die ein oder andere Stimme übrig.



Rotbäckchen-hat’s-geschafftund-ist-jetzt-im-Fernsehen-Partei (RHGUIJIFP)

Parteispitze: In der Gesundheitspolitik hat Parteichef Dr. Eckhard von Hirschhausen schon Bahnbrechendes geleistet, als er feststellte: Lachen ist gesund.

Ziele:
Da Hirschhausen selbst nichts zur Genesung beitragen kann, will er sich verstärkt europapolitischen Themen zuwenden. Um ein Zeichen gegen die Verelendung in Griechenland zu setzen, will er sich demonstrativ ein Haus auf einer ägäischen Insel kaufen. Der Besitzer hatte sich vor dem Parlament in Athen angezündet. Um die Hinterbliebenen zu unterstützen, will Hirschhausen für die 240-Quadratmeter- Finca auf die vom Makler anvisierten 13 000 Euro fünf Prozent drauflegen. Hirschhausen verspricht sogar noch mehr: Damit sich der Wähler nicht unter Druck gesetzt fühlt, will er die Finca auch dann kaufen und als Ferienhaus vermieten, wenn seine Partei die absolute Mehrheit nicht erreicht.

Prognose:
Das wird sie auch nicht (3 Prozent), da Hirschhausen kurz vor der Wahl der Adelstitel aberkannt wird.


Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Parteispitze: Mit Peer Steinbrück konnte die Partei einen der bestbezahlten Komiker Deutschlands engagieren. Jahrelang tourte er mit verschiedenen Programmen durch die Republik, bespielte meist nur kleine Hallen für ein exklusives Publikum und bekam dafür bis zu 25 000 Euro pro Auftritt. Jetzt will er in die Politik, auch wenn er bisher im Gegensatz zu seinen Komikerkollegen im politischen Bereich wenig Akzente setzen konnte.

Ziele:
Steinbrücks sehnlichster Wunsch: Angela Merkel zur dritten Amtszeit verhelfen. Dazu tourt er als »Problempeer« unter anderem durch deutsche Hartz-IV-Haushalte, deren Bewohnern er persönlich Beine machen will.

Prognose:
21 Prozent. Auch wenn er die vier Jahre sehr schön fand, die er bereits brav dienend in Merkels Kabinett verbracht hat, wird er dem Ruf der freien Wirtschaft folgen und Sparkassendirektor.

Carlo Dippold

 

 

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