Schalalaaa, schalalalaaa – aus Heft 2/2013

Wer vor Kurzem ein Bundesligastadion besuchte, fand deprimierende Zustände vor: Menschenleere Ränge statt fröhlicher Zuschauermassen, gespenstische Stille statt Jubel und Applaus. Und auch außerhalb der Winterpause ist es kaum besser. Schon seit Jahren trauen sich normale Menschen nicht mehr zum Fußball, denn die Stadien sind dem Zugriff des Rechtsstaats entzogen – dort regieren Horden schwerbewaffneter Ultras, die die rechtschaffenen Zuschauer mit Hilfe von Gesängen, Plakaten und Fackeln terrorisieren. Die Ausschreitungen kosten Spieltag für Spieltag Hunderte Zivilisten das Leben. Doch das ist bald vorbei, denn jetzt gibt es das sagenumwobene Konzeptpapier »Sicheres Stadion«, das die Bundesliga im Dezember mit freundlicher Hilfe der Innenministerkonferenz erstellt hat. Ein erster Erfolg ist bereits eingetreten: Der für den 21.12. angekündigte Weltuntergang konnte verhindert werden. Aber was genau steht in dem Papier eigentlich drin? Rechts die wichtigsten Punkte:

• Zutritt zum Stadion haben nur noch Frauen sowie Opas mit ihren Enkeln. Wenn Vereine dies wünschen, können sie auch Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen Einlass gewähren, sofern diese von einer Frau oder einem Opa mit seinem Enkel begleitet werden.

• Die drei offiziell genehmigten Gesänge lauten: »Schiri, wir wissen, wie schwer deine Aufgabe ist«, »Ha ho he – Hans Peter Friedrich ist okay« sowie »Hier / regiert / die demokratisch gewählte Bundesregierung «.

• Sollte bei der obligatorischen Vollkörperkontrolle am Eingang festgestellt werden, dass ein Besucher Pyrotechnik im Intimbereich versteckt hat, wird diese an Ort und Stelle gezündet.

• Transparente sind nur noch erlaubt, wenn sie einen Sponsor oder den übertragenden Fernsehsender lobpreisen.

• Als Zugeständnis an die Fans wird es auch in Zukunft Stehplätze geben, auf denen man allerdings ab sofort nur noch sitzen darf.

• Auch die Regeln des Fußballspiels selbst werden im Interesse eines weniger wilden Fanverhaltens behutsam angepasst: Der aktuelle Entwurf sieht vor, die Tore zu entfernen, in der Mitte ein Netz aufzuspannen, den Ball zu verkleinern und gelb anzumalen, die Mannschaftsgröße auf ein bis zwei Spieler pro Team zu reduzieren und diese mit Schlägern auszustatten.

• Um trotz all dieser Maßnahmen den wichtigen Marketingfaktor »Stimmung« zu erhalten, werden die Vereine verpflichtet, Audioaufnahmen von jubelnden Fans vorzuhalten und diese mindestens zweimal, jedoch nicht öfter als achtmal pro Halbzeit abzuspielen.

Christian Kandeler

 

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