Die Ponade – aus Heft 1/2013

PonaderEs ist nicht leicht, in diesen Tagen den Chef-Piraten Johannes Ponader zu treffen. Die Parteibasis hat ihren politischen Geschäftsführer höflich darum betwittert, sich in den Medien besser mal rarer zu machen und seine »sau peinliche Hackfresse « nicht in jede herumstreunende Kamera zu halten. Wo verabredet man sich heimlich mit einem Buhmann? In einer Kirche? Einem stillgelegten Bergwerk? In der Kanalisation? Ponader schlägt ein iranisches Internetcafé in München vor.

Der Kontakt zur alten Heimatstadt sei nie ganz abgebrochen, sagt Ponader. Gerade in seiner jetzigen Isolation hilft ihm das. »Ich habe hier immer noch ein paar Avatare, auf die ich zählen kann.« Ponader trägt ein Sakko von Hugo Boss und gewaschenes Haar. Eine aufdringliche Prise »Cool Water« von Davidoff durchdringt den stilsicher gewickelten Seidenschal. Der Iraner will ihm eine Handvoll Gratismarken überreichen, zum kostenlosen Surfen. Offenbar ein Sympathisant. Es gibt sie also doch noch. Aber Ponader lehnt dankend ab. Er wolle auf eigenen finanziellen Beinen stehen, erklärt ausgerechnet der, der unlängst die Basis seiner Partei noch völlig zu Recht dazu aufgerufen hat, für seinen Unterhalt zu spenden.

Und es kommt noch schlimmer: Als ihm während des Gesprächs der Blick für einen klitzekleinen Moment aufs Smartphone verrutscht, bittet er inständig um Verzeihung und tut so, als hätte er soeben den letzten Panda überfahren. Machen wir uns nichts vor: Das ist nicht mehr der Johannes Ponader, wie wir ihn kannten und in unser Herz geschlossen haben. Ponader war mal ein Versprechen. Er zeigte, dass es in der Politik auch bunter und chilliger zugehen kann. Er war das Paradiesvögelchen unter lauter Graugänsen. Der Zierfisch im Einheitsbrei.

Der Quatsch in der Soße. Als er in Sandalen beim Polittalk saß, klebte nicht nur Günther Jauch gebannt an seinen nackten Füßen. Millionen Fernsehzuschauer lasen ihm jedes ungesagte Wort von den Zehen ab. Denn Füße sagen oft mehr als Worte. Hatte sich Fischer einst in Turnschuhen vereidigen lassen, Westerwelle die 18 in die Sohle geritzt, nahm Sandalen-Johnny nun die nächste Stufe. Von diesem Sonntagabend an war klar: Der Mann hat das Zeug zum Außenseiterminister. Ponader war so, wie andere Politiker gerne wären: total anders. »Voll ponadig« hat zwar leider nie einen Platz im deutschen Jugendslang gefunden, aber gäbe es den Begriff, dann stünde er für genau das: superlässig mit verlauster Strickjacke twitternd lauter mordswichtige Leute um einen herum ignorieren. Voll ponadig eben.

Selten ist eine Karriere steiler verlaufen. Ponader ist das, was man German Wunderkind nennt, ein Leben auf der Überholspur. Einschulung bereits mit fünfeinhalb Jahren; Abi mit 18 und Einserschnitt; Studium der Theaterphilosophiemusikmathepädagogik ohne Abschluss, um sich alle Optionen offen zu halten; parallel dazu nimmt er Schauspielunterricht und wird – gerade mal 32- jährig! – jüngster Charakterdarsteller in der Augsburger Puppenkiste; mit 35 wird Johannes Ponader hipster Geschäftsführer von Deutschlands hipster Partei. Unter seiner Führung werden die Piraten zur Volkspartei. Doch dann der Absturz. In Umfragen fallen die Piraten unter die Fünf-Prozent- Marke und später sogar auf FDP-Niveau. Tiefer kann man nicht sinken. Ponader wird über Nacht vom Messias zum Sündenbock. Zahlen-Nerds wollen belegen: Jeder seiner Pannenauftritte kostet die Piraten ein weiteres Prozent. Bald ist Ponader in der eigenen Partei so unbeliebt wie Peer Steinbrück in der SPD. Na ja, fast.

Spricht man ihn darauf an, wiegelt er ab. Zu Rücktrittsforderungen und Suizidappellen, die die Basis im Netz verbreitet, meint er: »Alles halb so wild. Ist doch nur ein Shitstorm im Wasserglas.« Im Übrigen würde er jetzt viel lieber über Inhalte sprechen, sagt er. »Wir haben doch jetzt ein Parteiprogramm! « Dann legt er los: »Bildung steht bei uns an erster Stelle. Die Marktwirtschaft muss sozial und nachhaltig sein. Wir sind gegen den Klimawandel und für die Energiewende.« – Scheiße, Ponader! Das will keine Sau von dir hören! Wenn man mit einem echten Piraten diskutiert, sollten Vorschläge kommen wie: Entmündigung aller Urheber, Surfen zum Nulltarif, Radwege ohne Tempolimit, ein Recht auf Sodomie, Frei-Club-Mate für alle! Auf einmal relativiert er sogar das Grundloseinkommen, für das er sich einst so bedingungslos stark gemacht hat. »Bei all dem gilt: Wer mehr leistet, muss auch mehr verdienen «, ponadert es aus ihm heraus.

Was ist bloß aus diesem Mann geworden? Während Ponader weiter Mainstream wiederkäut und die Beine übereinander schlägt, fällt auf, dass er statt Sandalen Fußfesseln trägt. »Die sind vom Schlömer«, sagt er beiläufig. Der Schlömer heißt Bernd, hat die Ausstrahlung des gleichnamigen Brots, ist Parteivorsitzender und so etwas wie Ponaders natürlicher Feind. Und als Beamter im Verteidigungsministerium hat Schlömer Zugang zu modernster Überwachungstechnik – wie z.B. elektronischen Fußfesseln. Doch damit nicht genug. Hinter Ponaders rechtem Ohr hängt ein schwarzes Kästchen. Zur Rede gestellt, antwortet er: »Ach, das – das ist ein sogenannter Meinungsgenerator. « Das sei sein direkter Draht zur Basis und umgekehrt. Die Parteimitglieder würden via Twitter über seine Hirnströme benachrichtigt und könnten jederzeit ihr Veto einlegen, das dann direkt in der Großhirnrinde ankomme. »So wird jeder einzelne Satz mit der Basis abgestimmt«, lacht Ponader.

Über empörte Beschwerden wie »Gedankenpolizei! « und »Faschismus!« und den Vorwurf, Ponader sei zur Marionette verkommen, schüttelt er nur beschwichtigend den Kopf. »Ich bin sie, und sie sind ich. Wir sind Ponaden und als solche Teil eines großen Ganzen«, sagt er und nennt sich selbst den ersten demokratisch verwalteten Organismus. »Ich bin eine living democracy.« Was würde der alte Ponader dazu sagen? Man wüsste es gern. Doch der neue salbadert von politischer Praxis, dem Ringen nach Kompromissen und dem Bohren dicker Tablets und so weiter.

»Ich habe eben die Erfahrung machen müssen, dass Politik kein Ponaderhof ist«, sagt er. Man möchte ihm aus lauter Enttäuschung fast eine reinhauen. Doch plötzlich reißt er sich das Sakko vom Leib, lackiert sich die Fußnägel orange, zitiert zersetzende Passagen aus der Schmarotzerfabel Frederick und erneuert den Antrag auf die Erforschung von Zeitreisen, den die Ponaden auf dem Parteitag noch abgelehnt hatten. Dann fasst er sich an das schwarze Kästchen hinter dem Ohr und grinst verschämt: »Verzeihung. Die Verbindung war gerade zusammengebrochen.«

Florian Kech Zeichnung:
Frank Hoppmann


 

Kommentare 

 
#1 Gert Mendl 2013-02-19 14:32
wo ist dieser beitrag witzig???
oder ist der eulenspiegel nach zu viel dschungelcamp gucken der belegschaft ähnlich breiig und krautig im hirn, kakerlaken in der fresse (sorry) und blutegel an der nudel dass die beiträge vom csu zentralorgan "bayernkurier" oder der bildzeitung nicht mehr unterscheidbar sind.

(...) mann mann mann
Zitat
 

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