Auslese
Sammler am Swimmingpool – aus Heft 8/2018

maconklAls 1977 ein Kind im nordfranzösischen Amiens das Licht Frankreichs erblickt, trägt es noch keine Namen. Doch sofort sammelt es welche: Emmanuel, Jean-Michel, Frédéric, Macron. Das sind selbst für ein Franzosen-Baby mehr Bezeichnungen, als nötig wären. Und sie lassen bereits auf den Charakter des zukünftigen französischen Präsidenten Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron schließen. Ein Mann, der seitdem von dem Vorhaben getrieben ist, alles auf der Welt zu sammeln.

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Die, die das Licht riecht – aus Heft 7/2018

juliszehklDer warme Spätnachmittag war wie ein Heuhaufen voller Belanglosigkeiten. Juli Zeh zog die Haustür hinter sich zu und trat auf den schmalen Gehsteig, der vor ihrem Haus vorbeiführte. Sie wandte sich in Richtung Dorfzentrum. Sie atmete tief ein. Die Vögel zwitscherten. Irgendwo krähte ein Hund. Irgendwo bellte ein Hahn. Plötzlich war es, als sei sie eine Figur in einem Roman.

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Trainer aus der Taiga – aus Heft 6/2018

lwklDer Flur gleicht einer endlosen Trophäensammlung. Bundesverdienstkreuz 2010, »Schönster Bundestrainer der Welt 2012«, »Nivea Men Award 2013«, »The Face 2014«, »Hair of the year 2015«, »Master of Manicure 2016« sowie eine original Schwarzwälder Kuckucksuhr. Auf dem Waschtisch steht der WM-Pokal von 2014 und trägt seine Dienstperücke. Joachim Löw hat alles erreicht, was es in der Männerwelt zu erreichen gibt. Doch die größte Herausforderung steht ihm erst noch bevor. In diesem Sommer in Russland soll er schaffen, was noch kein Deutscher vor ihm geschafft hat: die Verteidigung des Weltmeistertitels und der westlichen Wertegemeinschaft.

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Ohne Prozess – aus Heft 6/2018

Jemand musste Markus S. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. Die Köchin, Frau Baumüller-Söder, die ihm jeden Tag das Frühstück brachte, kam diesmal nicht. Das war noch niemals geschehen, und S. sagte sich, dass es auch niemals wieder geschehen würde. Sobald er seinen Kaffee getrunken hatte, den ihm Frau Baumüller-Söder bald bringen musste, wollte er ihr eine Lektion erteilen. S. mochte diese erzieherischen Maßnahmen einer erwachsenen Frau gegenüber nicht, aber Frau Baumüller-Söder zwang ihn zu seinem eigenen Bedauern regelmäßig, ihr zu zeigen, wer der Gesetzgeber im Hause war.

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Kein deutscher Skispringer – aus Heft 5/2018

kein SkispringerWenn man auf den Pfaden der Onomatologie »Plasberg« recherchiert, und das machen wir mit journalistischer Sorgfalt, findet man: nichts. Nichts Unanständiges und nicht mal was Anständiges. Der Name ist so rein wie ein frisch erfundenes Start-up, das Laken einer alten Jungfrau oder ein bislang unentdeckter Tiefseefisch. Ein Plasberg war nicht in der NSDSAP und war auch nicht ein deutscher Skispringer. Plasberg kann also von nun an und für alle kommenden Generationen mit »Frank« verwachsen sein: Wer Plasberg sagt, muss Frank sagen, Plasberg – das ist der integre Journalist mit dem Habichtprofil, der Erfinder des harten, gleichwohl fairen Journalismus im deutschen Sprachraum und öffentlich-rechtlichen Sendegebiet, der maulflinke Rächer der Armen, Enterbten und Geschundenen (eine Spur nach Sachsen, wonach der Plasberg ein bei Homosexuellen beliebter Anstieg im Elbsandsteingebirge sei, lassen wir versanden).

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