Auslese
Harter Regen, krumme Straßen – aus Heft 12/2016

dylanklDer Typ hat offenbar noch nie eine Casting-Show gesehen. Sonst wüsste er, wie man sich verhält, wenn man irgendwas gewinnt: Irres Umherspringen, Augen gullydeckelweit aufreißen, Heulen, Trampeln, Schluchzen und pseudo-orgiastisches Quieken im mittleren Ultraschallbereich sind das Mindeste, was die Juroren zu sehen wünschen.

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Die Wahrheit als Spielball von Schweinen – aus Heft 12/2016

Als Abraham Lincoln 1721 die amerikanische Verfassung diktierte, wies er seinen Sekretär Jason an, auf die Rückseite des Papiers sein heute berühmtestes Zitat zu schreiben: »Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen.« Lincoln erfand damals die Grundidee, die heute weiter verbreitet ist denn je: die gefühlte Wahrheit. Spätestens seit Donald Trump mit dem Hinausposaunen seiner Interpretationen der Tatsachen erfolgreich war, sind Fakten nur noch etwas für Weicheier.

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Er will es doch auch – aus Heft 11/2016

Er will es doch auchJung, urban, bunt, mit einer Prise der gesellschaftlichen Vorstellungen von 1950 – so wünscht sich die CDU ihre Mitglieder. Aber die Basis tut sich schwer mit diesem Anforderungsprofil: Schnell mit dem SUV zum Biomarkt fahren, einen glutenfreien Rettich für die vegane transsexuelle Afro-Inuit-Gattin und das laktoseintolerante Adoptivkind aus Neuschwabenland kaufen, bevor man wieder aus Furcht vor einer Invasion des russischen Bolschewismus am heimischen Luftschutzbunker weiter werkelt – viele fühlen sich von solch einem Lebensstil überfordert. Das zu ändern ist die Aufgabe des CDU-Generalsekretärs Dr. Peter Tauber. Er versprüht jugendlichen Charme, hört die Sportfreunde Stiller genauso gern wie die erste Strophe der Nationalhymne und sieht für einen CDU-Politiker unverschämt mittelmäßig aus! Doch wie tickt der Mann genau?

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Nazis unter Palmen – aus Heft 11/2016

Lutz Bachmann sitzt fest im Sattel. Sein Muli folgt ihm aufs Wort, manchmal nickt es sogar zustimmend mit dem Kopf, wenn er etwas sagt. Zu Maultieren hatte der Pegida-Chef schon immer einen guten Draht.

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Der Bademeister – aus Heft 10/2016

Der BademeisterDer zweite Mann im Staate zu sein, ist eine hohe Ehre und kann eine schwere Bürde sein.
Eine hohe Ehre – wenn es nicht gerade der Zwergstaat Andorra in den Pyrenäen ist, der vielleicht nur zwei Männer hat und noch eine(n), die (der) sich nicht recht entscheiden kann, oder ein Gemeinwesen auf den Seychellen, das wegen seines Briefkastens in der Welt der Banken berühmt ist. Schlecht ist auch, wenn der Staat, dessen zweiter Mann man aufgrund ungünstiger historischer Verläufe geworden ist, auf die Anklagebank gehört und der erste Mann im Staate ein heißes Bad mit Eva im Garten der Reichskanzlei genommen hat.

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