Auslese
An Lippis Lippen – aus Heft 6/2016

LippiWer Wolfgang Lippert googelt, könnte erschrecken, schreien, sich auf den Boden werfen, denn er ist tot! Herzinfarkt. Das hat er nicht verdient. Dick und kahl war er am Ende, verziert mit einem Seidenschal, so weit gesunken, anderer Leute Haare zu schneiden. Dann erst begreift man: Google hat den falschen Lippert in die Poleposition gesetzt (wahrscheinlich hat der Verstorbene gespendet). Der »richtige« Wolfgang Lippert muss natürlich gänzlich oben stehen. Und dann lange, lange nüscht. Denn er ist der einzige Lippert, der es zu Ruhm gebracht hat. Man kennt ihn von Ahrenshoop bis Zarrenthin, von Ahlbeck bis Zabenstedt (doch wer kennt schon Zabenstedt?). Ob Mann, ob Weib – alle rufen ihn bei seinem Kosenamen, was eigentlich nur Honi vorbehalten bleiben sollte.

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Laufzeitverlängerung für Gauck? – aus Heft 6/2016

Im kommenden Jahr läuft Joachim Gaucks Amtszeit als Bundespräsident ab – und zeitgleich erreicht er die durchschnittliche Lebenserwartung eines westeuropäischen Mannes. Trotz des entsetzlich hohen Alters, was in diesem Fall kein Entscheidungskriterium sein darf, gilt der »greise Obama«, wie er von sich selbst voller Anerkennung genannt wird, als heißer Anwärter für eine Wiederwahl. Gauck ist zerrissen wie nie: Soll er noch einmal antreten? Oder soll er verzichten? Unser Autor Florian Kech zeichnete den inneren Dialog des mit sich ringenden »Gauck« (Gauck über Gauck) auf.

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Der Kindskopf-Kanzler – aus Heft 5/2016

Basti KurzBaaaastiiii!«, brüllt Papa Kurz die Treppe hinauf, »du kommst zu spät zur Westbalkan- Konferenz.« »Lass ihn doch, er ist noch ein Kind«, gibt Mama Kurz zu bedenken. Die Kinderzimmertür mit dem Spongebob-Starschnitt schlägt auf, heraus tritt Österreichs Außenminister, unser Mann [sic!] der Stunde, auf den es jetzt ankommt, von dem Europas Schicksal abhängt.

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Sie treiben's mit jedem – aus Heft 5/2016

gruenmanklklAm Abend des 13. März 2016 ging die Sonne über Baden-Württemberg auf. In welches Gesicht man damals im Landesbüro der Grünen auch seinen Blick versenkte, der Stolz leuchtete aus allen Löchern. Selbst Winfried Kretschmann, den eine absolute Mehrheit der Bürger von fast einem Drittel zum größten Ministerpräsidenten aller Zeiten bestimmt hatte, sprang die Freud’ zur Goschen naus:

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Kultur der dünnwandigen Hose – aus Heft 4/2016

SlotterdijkDer Evolutionismus des 19. Jahrhunderts bietet gewissermaßen die historisierten Varianten einer Ontologie der kämpfenden Prinzipien altorientalischen Typs, die auch unter der Vorherrschaft des Monotheismus nie ganz erloschen war und in den kryptischen dualistischen Unterströmungen der abendländischen Metaphysik überlebt hatte.« Ein Satz wie in Stein gemeißelt, klar und wahr, schön, und doch auch wieder nicht. – Für derlei noch milde confusio linguae und treffende Bonmots wird Peter Sloterdijk von seinen Feinden gefürchtet und von seinen Freunden geliebt. Ja, hin und wieder soll er für derlei Tiefsinniges sogar die ein oder andere opera mani, wie er es nennt, oder wie der Engländer sagt: handjob abgegriffen haben, häufiger sogar noch als der nur unwesentlich schönere Richard David Precht. Diesen hält Sloterdijk für einen aufgeblasenen Schaumschläger, während Precht Sloterdijk eher als schaumschlagenden Wichtigtuer betrachtet. Die objektive Wahrheit, seit jeher Gegenstand der großen Denker – hier kommen ihr beide Philosophen sehr nahe.

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