Auslese
Der unbesiegbare Ententanztänzer – aus Heft 8/2016

Jean-Claude van DammeDas kann doch nicht wahr sein! Seine Fassungslosigkeit erfüllte das Badezimmer wie eine EU-Verordnung zur Gestaltung sanitärer Einrichtungen. Erst waren die Briten ausgetreten und dann noch das: Jean-Claude Juncker hielt seinen Personalausweis neben das Spiegelbild. Das Gesicht, das ihn debil anstarrte, passte nicht zum Geburtsdatum auf dem vom Großherzogtum Luxemburg ausgestellten Dokument. 61 Jahre war er angeblich nur alt. Dabei sah er aus, als hätte er im Dreißigjährigen Krieg höchstselbst Europa zerstört, um es anschließend wieder aufbauen zu können. Vor Schreck verschluckte er sich mit wenigen tiefen Zügen am Rasierwasser.

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Aufschnitt für alle! – aus Heft 8/2016

Es zieht auf dem Korridor des Max-Planck-Instituts, und der Hocker gehört auch geölt. Aber wer mit der größten Wissenschaftlerin der Gegenwart verabredet ist, beklagt sich nicht über Fußnoten. Mademoiselle Charpentier klone nur noch schnell einen Nacktmull, sagt die junge Assistentin mit dem französischen Akzent und den lustigen Klecksen auf dem Weißkittel. Das »Wozu?« verkneift sich der Laie. Durch die Labortür dringt ein Würgen und Furzen. Es ist die Melodie neuen Lebens.

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Kommt der Daustritt – aus Heft 7/2016

brexitBleiben die Briten in der EU oder hausen sie in Zukunft fern des restlichen Europas auf einer verregneten Insel? Darüber durften die Bewohner nun abstimmen. Wie das Referendum ausgegangen ist, interessierte bei Redaktionsschluss allerdings niemanden. Die entscheidende Frage in Deutschland lautet vielmehr:
Wenn die Briten über den Brexit entscheiden dürfen, wieso dürfen die Deutschen nicht ihrerseits über einen Daustritt abstimmen? – Doch was bisher niemand weiß: Sie dürfen. In einer ungeahnten Charme- und Demokratie-Offensive will die Bundesregierung am 23. Oktober 2016 ein Referendum abhalten, in dem über den Daustritt abgestimmt werden soll.

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Die neue Willy – aus Heft 7/2016

nahlesklEigentlich mag sie keine Homestories, wie die enttäuschte Klatschpresse zu berichten weiß, doch Andrea Nahles macht eine Ausnahme und empfängt in der Vulkaneifel auf ihrem Bauern hof. Die Hoffnung der deutschen Sozialdemokratie steht knöcheltief in der Maissilage. Aus der Gärmasse steigt ein süß-säuerlicher Verwesungsduft auf. Und die Silage riecht auch nicht viel besser. »Das Aroma hier erinnert ein wenig ans Willy-Brandt-Haus«, sagt Nahles und lächelt zurückhaltend. Auch während sie über Fäulnisprozesse in organischer Materie und ehemaligen Volksparteien spricht, bleibt sie sachlich leise. Ihr Imagewandel fällt ins Auge.

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Die Radiopredigt – aus Heft 07/2016

Liebe Hörerinnen und Hörer zu Hause an den Endgeräten, gesegneten Sonntag! Ich möchte heute mit Ihnen sprechen über eine Zeile aus einem Lied, das dieser Tage unversehens und hurtig im Äther auf Radiowellen mir zuflog, wie dem Propheten Petrus die Taube, und die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht:
»Isch ficke Deine Mudda, weil isch misch dabei gut fühle.« Verfasst hat sie der unter jungen Leuten mit Migrationshintergrund weithin bekannte Künstler Farid Bang.

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