Viel besser …

... wäre es gewesen, Joachim Gauck hätte sich, uns und vor allem mir eine Freude gemacht, und wäre im Amt gestorben. Kurz, schmerzlos und heiter. Dann wäre er in den Genuss eines sagenhaft opulenten Staatsbegräbnisses gekommen, ein ICE und eine Hühnerrasse wären nach ihm benannt worden, der Sarg wäre auf einer Lafette durch Ost- und Westberlin gefahren worden, an der Landstraße nach Wustrow hätten weinende, Blumen schmeißende Massen gestanden, und die See hätte wunderschöne Bilder hergegeben, wenn die Asche des Präsidenten vom Traumschiff geblasen worden wäre. Dazu Beethoven, Wagner, die Scorpions. Hindenburg war der Letzte, der das erleben durfte. So aber wird es eines Tages nur eine lustlose, pflichtgemäße Entsorgung und einen routinierten Gottesdienst für ihn geben, wie bei Herzog oder Weizsäcker (wie man diesen Wulff eines Tages wegbringt, damit ist heute schon eine Ethikkommission befasst).

Warum das auch mir eine Freude gewesen wäre? Nun, ich habe seinen Nachruf geschrieben. Auf einen Präsidenten im Amte! Irgendwann auf einer seiner Reisen schwächelte Gauck einmal, hustete und musste sich setzen. Alle großen Blätter haben daraufhin rasch die Doppelseite »Abschied vom Präsidenten der Herzen« hergestellt und in der Chefredaktion deponiert (wo schon die Nachrufe auf Kohl, Walser, Ströbele und Bosbach liegen).

Meiner ist sehr schön geworden. Er enthält unnachahmliche Wendungen wie »eine lebende Legende«, »der Freiheitsprediger«, »vom Herrn über die Akten zum Herrn über die Deutschen«, »hinterlässt eine gewisse Frau Schadt« usw. Doch der Geschäftsführer honoriert nur bei Erscheinen. Außerdem – auch ein Nachruf altert. Vielleicht trägt der Text über Gauck in ein paar Monaten den Titel »Der Sprechsack aus dem Bellevue«.

Für Gauck ist es auch übel, dass er weiterlebt. Jetzt wird er dauernd gefragt, was er »danach« machen wird – eine Talkshow, eine Quizsendung (»Gaucken, bis es quizzt«) oder wieder Schwung in die Stasiverfolgung bringen? Mir kann’s egal sein. Für mich ist der Mann gestorben.

Atze Svoboda

 

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