Lebt eigentlich Manfred Krug noch?

manneDas wollen wir hoffen. Sein Tod eines Tages (er ist 79) wird allen naturbelassenen Ossis das Herz brechen. Was Ernst Thälmann nicht sein konnte, wozu sich Horst Sindermann nicht eignete und Margot Honecker nicht hergeben wollte – Krug, der einstige Hennigsdorfer Stahlarbeiter, war das fleischgewordene SED-Ideal des klassenbewussten Arbeiters in Film und Fernsehen.

Nicht nur, dass er die körperlichen Voraussetzugen hatte, dem Klassenfeind jederzeit eins auf die Mütze zu geben – er hatte auch den Witz, den die Funktionäre gern gehabt hätten, die Stimme, die Honecker gern gehabt hätte, den menschenfreundlichen Spott gegen Junker und Kapitalisten, den Schnitzler gern gehabt hätte und einen Sexappeal wie Alain Delon und Gérard Depardieu zusammengenommen – aber »in den Farben der DDR«! Krug, Schöbel und die Hahnemann – die Gesichter des Unrechtsstaates.

So kam es, dass es einen Tag in der DDR-Geschichte gab, an dem Volk und Führung einvernehmlich erschrocken waren – der Tag, an dem sich rumsprach, dass (auch) Krug »rübermachen« würde. Als aber im Westfernsehen zu sehen war, wie Krug in den Westen ging – nämlich nicht mit einer Leiter an der Mauer, nicht über die Durchgangsstation Knast Cottbus und nicht nach jahrelangen Schikanen wegen des Ausreiseantrags, sondern in einem Konvoi samt seiner Oldtimerund Antiquitätensammlung (Kapitalanlage), Porzellan und Silberbesteck, Hund und Gattin – da weinte das Volk dem Krug keine Träne mehr nach (Ausreisern keine Träne nachzuweinen erhob Honecker später zum Tagesbefehl). Stattdessen heulte Krug am Schlagbaum Rotz und Wasser. Ahnte er, dass seine tolle Karriere zu Ende ging?

Jetzt hörte man wieder von ihm: Sein (West)-Bruder Roger darf weiter behaupten, was Manfred ihm verbieten wollte: Dass diese »Exquisit-Ausreise« nur möglich war, weil der tapfer in die Freiheit strebende Manne einen Deal mit der Stasi hatte. Hat er seine Künstlerkollegen verpfiffen?

Gepfiffen hat er in Film und Fernsehen nie. Doch, einmal als Bilderbuch-Zimmermann in »Spur der Steine« einer Schönen hinterher. Aber das wird ihm doch keiner ankreiden!

Mathias Wedel

 

Kommentare 

 
#1 Thomas Bitterlich 2016-10-30 11:21
Nu nich' mehr, schade.
Zitat
 

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