Soll sterben

Die Konterrevolution hatte in Vorpommern gesiegt, die Nazis auf ihren veganen reichsdeutschen Biohöfen mit angeschlossenen Hofläden (Honig und Eier) und Bed & Breakfest-Kleinerwerbsbetrieben für Radler nach Usedom hatten AfD gewählt! Prompt wurde Merkel aus Bayern bespien und aus dem Willy-Brandt-Haus mit einer Obergrenze bedroht. Doch sie heulte und schlotterte nicht.

Ein hochkomplexer Vorgang. Damit die Leute das verstehen, helfen nur noch Bilder, am besten Bilder (sogenannte Metaphern), die man bebildern kann. Da rauchten die Hirne bei ARD und ZDF! Und, was ist dabei herausgekommen?

Die Tagesthemen brachten gefühlte fünf Minuten lang ein bewegtes Bild, auf dem ein Fels zu sehen war, gegen den die stürmische Brandung bricht. Merkel – der Fels in gieriger Gischt! Und Seehofer das Wasser, das in Jahrhunderten höchstens winzige Dellen in den Stein frisst. Claus Kleber im ZDF referierte mit dem Stolz des Pennälers, der Altgriechisch gebimst hat, das Schicksal der antiken Götter, die gar nicht aufhören können – sie können nicht sterben. Merkel – die Unsterbliche, das göttliche Wesen. So sieht kritischer Journalismus aus.

In einem Ukas vor Kriegsbeginn verbat sich der große Stalin, »Gott« genannt zu werden. Er hatte das Gefühl, dass er sich dann nicht mehr steigern könnte (»Doppelgott«?). Erich Honecker wurde auf einer Funktionärskonferenz mit den Niagarafällen verglichen: Unaufhaltsam rauschen seine spritzigen Einfälle ins Tal der alltäglichen Parteiarbeit.

Aber weil da keiner hinfahren konnte, hat man das verworfen. Dabei kann Unsterblichkeit echt Scheiße sein: Prometheus (also Angela) hing (im Hosenanzug, aber bauchfrei) an einem Kreidefelsen auf Rügen, und jeden Tag kam Horst, der Adler, lachte böse und knabberte an ihrer Leber. Die wuchs – Unsterblichkeit! – natürlich immer wieder nach. Wünschen wir ihr/uns das? Nein, lieber soll sie sterben.

Atze Svoboda

 

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