Geteilte Freude

Dass Teilen etwas Gutes ist, habe ich als Kind gelernt. Oft stimmt das auch. Im einst geteilten Berlin ist die sogenannte share economy z.B. ziemlich stark. Die Leute teilen sich nicht nur Autos beim Carsharing, lassen großzügig die Marihuana-Zigaretten kreisen oder tauschen ihre Wohnungen für einen Urlaub mit Leuten aus fremden Ländern.

Mein Penthouse-Nachbar, ein Selfmade-Millionär wie Carsten Maschmeyer, teilt sich seine 15-Meter-Yacht auf dem Zeuthener See und seine Ferien-Butze in Dubai mit einem Geschäftspartner. Das zeigt, dass auch die Gutbetuchten durchaus gerne mal teilen. (Hin und wieder teilt er sich mit mir sogar die Freundin, was er natürlich nicht wissen muss.

Dass er das hier liest und mich dann in Stücke teilt, ist nicht zu befürchten – der Ärmste ist funktionaler Analphabet.) Aber Teilen wirft oft auch Probleme auf, was man jetzt in Marokko erkannt hat. Dort werden viele Zeitungen und Zeitschriften in Cafés oder an öffentlichen Plätzen liegengelassen und dann von mehreren Leuten gelesen. Der ökonomische Schaden dadurch ist immens, weshalb sich die Verlage so lange bei der Regierung beschwerten, bis diese endlich nachgab und nun das Lesen von Zeitungen in der Öffentlichkeit verbieten will.

Ob das auch was für Deutschland wäre? Bisher hatte ich nie darüber nachgedacht, was es für ökonomische Folgen hat, wenn ich Tante und Oma zweimal im Jahr die gesammelten EULENSPIEGEL mitbringe. Rechnet man das auf alle Leute hoch, die ihre Lektüre teilen, statt dass sich jeder sein eigenes Heft kauft, kommt da einiges zusammen. Auf der anderen Seite würde sich bei einem öffentlichen Leseverbot meine Arbeit nur noch rein finanziell lohnen.

Denn wenn ich in einem Café sitze und vor mir wie zufällig die aufgeschlagene EULE mit meiner Kolumne und meinem Foto liegt, kommt man relativ schnell ins Gespräch. Vor ein paar Tagen erst machte das großen Eindruck auf zwei Mädels, die ihre Abitur-Abschlussfahrt nach Berlin … Aber was ich eigentlich sagen wollte: Also wenn mich jemand zu diesem Verbot fragt – ich bin dagegen!

Atze Svoboda

 

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