Belastbare Quelle

Mit Helmut Markwort befreundet zu sein, ist nicht leicht. Erstens hat er schon mehrere Focus-Chefredakteure verschlissen, wenn er fünf Minuten vor Redaktionsschluss erschien und fertige Dateien mit Salzsäure übergoss; er darf das, er ist der Herausgeber. Zweitens ist er ein grauenvoller Schwätzer. Zwei Gründe, die mich bewogen, den Focus trotz Markworts dringlichem Hinweis auf unsere Freundschaft nicht zu übernehmen, und lieber zu ertragen, wenn ein Herausgeber des EULENSPIEGEL fünf Minuten vor Redaktionsschluss vorbei schaut und Pfannekuchen für alle bringt.

Kürzlich hat der Helmut unsere Freundschaft noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Im Heimatfernsehen erklärte er bei Weizenbier, Sigmar Gabriel habe die Absicht »morgen oder übermorgen« von sämtlichen seiner Funktionen in Partei und Regierung »zurückzutreten«! Die beisitzenden Trinker waren perplex. Doch, doch, beharrte Markwort, seine Quelle sei absolut belastbar.

Als ich das sah, trat mir der Angstschweiß aus allen Poren. Ich rief sofort den Sigmar an (wir kennen uns vom Wildschweinessen in Bramsche). Gabriel arbeitete bereits an einem Dementi. Ich bat ihn, sich nicht so aufzuregen und meinen alten Freund Markwort zu schonen. Wir einigten uns dann auf einen kurzen Text – am nächsten Tag nannte er Markworts Ankündigung schlicht »Stuss«.

Ich entschuldigte mich bei Gabriel. Ja, ich hatte mit Markwort über die missliche Lage Gabriels gesprochen. Nun muss man wissen, Markwort hat neben den oben genannten, noch eine dritte Eigenschaft, die es erschwert, ihn zu mögen: Er hört schwer. Ich hatte zu ihm gesagt, bei all dem Elend, das Gabriel jetzt durchmache, habe der doch als engagierter Protestant noch das »Glück zu beten«. Sie wissen schon, was Markwort verstanden hat.

Atze Svoboda

 

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