Taschenspielertricks …

… gehören zum Handwerk eines jeden Journalisten. Wenn man investigativ unterwegs ist, ist es manchmal vonnöten, dass man sich verstellt. Dann ist man eben mal für einen Abend der Industriellensohn, der Architekturstar oder der Besitzer einer Model-Agentur, um an eine wichtige Information, beispielsweise eine Telefonnummer, zu gelangen. Strenggenommen ist das mindestens Flunkern, es gehört nun aber mal zum Geschäft.

Das ZDF hat kürzlich für seine Dokumentation mit dem schönen Titel Machtmensch Putin den Bogen leider etwas überspannt. Denn für das Porträt wurde im letzten Jahr ein Donbass-Kämpfer interviewt. Was der zur Persönlichkeit Putins beitragen konnte, weiß ich nicht, denn ich selbst schaue schon lange kein Fernsehen mehr, außer Arte, 3sat und die Bezahlprogramme auf den Hotelzimmern.

Im Nachgang stellte sich heraus, dass der Kämpfer aus dem Donbass gar kein solcher war, sondern sich für das Honorar von 50 000 Rubel (lediglich etwa 550 Euro, aber dennoch der Beweis, dass der Rundfunkbeitrag nicht nur für Fußball ausgegeben wird) als solcher ausgab. Das wäre kein Problem, wenn es nicht herausgekommen wäre. Ist es aber.
Mit schrecklichen Folgen, denn nun fühlen sich natürlich die »Lügenpresse «-Schreier bestätigt und Wladimir Putin ist ein für allemal entlastet. Vermutlich wird er sogar den nächsten Friedensnobelpreis erhalten. Den Freiheitsrechten, der Demokratie und der handwerklich gut gemachten Propaganda hat das ZDF damit einen Bärendienst erwiesen.

Vielleicht hätten die Mainzer lieber mich gefragt. Denn ich verfüge selbstverständlich über verlässliche Quellen in aller Welt. Die knicken auch nicht sofort ein, wenn der russische Geheimdienst sie mal ein bisschen »eingehender prüft«. Allerdings kosten deren Informationen auch mehr. Die falschen Schnurrbärte und ihre exzellente Schauspielausbildung sind natürlich inklusive.

Atze Svoboda

 

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