Discounter-Wellness

»Dann sah ich es«, berichtet der Erzähler in Eckhard Henscheids Roman Die Mätresse des Bischofs. »Zuerst in Spiegelschrift, aber ich verlas mich nicht: ›Heimwerker-Discount‹ stand über der Auslage des Tankstellenhäuschens. Und es standen oder lagen oder lehnten verschiedene offene Werkzeugkästen, Franzosen, Schraubenschlüssel und sogar ein Hobel darin.« Einige Seiten später wiederholt sich das Phänomen: »Es war fast ein Abenteuer.
›Supermarkt‹ prangte schon an der Pforte, darunter etwas kleiner ›Discount-Top‹. Im Innern hieß es plötzlich ›Top-Discount‹. Sie wussten nicht mehr, was sie wollten. Ich möchte jede Wette halten, dass auch der Geschäftsführer nicht weiß, was ›Top‹ noch was ›Discount‹ bedeutet.«

Im Verbraucherbewusstsein dürfte sich inzwischen die Auffassung etabliert haben, dass die »Discountpreise« der »Discounter« so etwas wie einen Rabatt bedeuten. Interessanterweise definiert der Duden den Discounter übrigens als »Discountgeschäft« bzw. als »Unternehmen, das über eine Kette von Discountgeschäften verfügt« und führt dennoch – aus Gründen der Gleichberechtigung? – auch die »Discounterin« auf, und zwar als »weibliche Form zu Discounter«. Das wäre dann also eine Discountgeschäftin.

Doch warum nicht? Zum einen gibt es mittlerweile ja auch Discountflieger, Discounthotels, Discountgaragen und zum anderen einen Zigarren-Discount, einen Bike-Discount, einen Beamer-Discount, einen Neuwagen- Discount, einen Dive-Discount, einen Fliesen-Discount und einen Brautmode-Discount sowie die Waterbed Discount Europe Deutschland GmbH, den Onlineshop Creativ Discount und – Eckhard Henscheid dürfte es freuen – »Berufsbekleidung zu Top-Preisen« bei einem Handelsgeschäft namens Work Discount. Das Münchner Lädchen Discount Piercing wiederum lockt mit einem Piercing-Discount. Und um dem Quark die Krone aufzusetzen, verkündete die Bild-Zeitung Anfang 2016 unter dem Schlagwort »Discounter-Wellness« eine »Discounter-Revolution«: »Endlich Kunden-Klos bei Aldi!«

Als Kosmopolit sitzt man ungern mit den Anglizismenjägern vom Verein Deutsche Sprache im selben Boot. Aber auch in der eigenen Barke kann es einem manchmal schon blümerant werden. Wenn der König Kunde sein Wasser jetzt auch beim Einkaufsgang abschlagen darf und sich diese Neuerung als »Discounter-Wellness« verkaufen lässt, wäre es jedenfalls vielleicht mal wieder an der Zeit für einen Königsmord.

Gerhard Henschel

 

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