Wie man’s macht ...

... macht man’s falsch. Attentate in Paris. Berichterstattung? »Hysterisch!« (120 Sondersendungen des ZDF). Ein Terrorexperte nach dem anderen wurde von Kleber abgefragt. Die schliefen auf Klappliegen im Sendezentrum.

Mich hat das taiwanesiche Werbefernsehen per Skype aus dem Borchardt zugeschaltet. Ich war bestürzt und Taiwan soll gerührt gewesen sein. Dann Hannover. Journalisten pilgerten in Sonderzügen an die Leine. Ich saß im Zug von Paderborn, wo ich die Fehlgeburt der Pinguindame Pamela für »Affe, Nashorn & Co.« dokumentieren sollte. In Hannover stand ich unter einer Laterne in Stadionnähe (ich hätte auch in Berlin stehen können) und berichtete von einem Nicht-Ereignis und – glücklicherweise – von Nicht-Opfern und musste immer mal meinen Standardsatz, »Da könnte ich nur spekulieren«, einflechten.

Nun fragen mich die Leute in der Markthalle, in der gemischten Sauna und morgens um drei im »Berghain« (man ist ja bekannt wie ein bunter Hund): Atze, wo warst du denn, als auf der Domplatte die Schmutzeleien und Fummelspielchen losgingen? Ich werde sogar verdächtigt, ich hätte die Nachricht unterdrückt, um auch mal von der Kanzlerin mit nach Moskau genommen zu werden.

Quatsch! Politische Ambitionen gehen mir ab. Aber Silvester kippt sich auch ein Starjournalist mal die Rübe zu. Und punkt null Uhr gibt’s ein Konterbier über der Kloschüssel und dann guckt man sich auch selber mal um, welches Mädel bereits auf Betriebstemperatur ist. Und so ähnlich, denke ich, wird es auch der Kölner Polizeiführung gegangen sein. In einem Land, in dem man sich an Silvester nicht die Kante geben kann, möchte ich auch nicht leben.

Ab dritten Januar war in den Sendern natürlich der Teufel los und ich sollte mich schnell noch in Köln unter eine Laterne stellen und »Da müsste ich jetzt spekulieren« sagen. Aber ich musste ja zu Pamela nach Paderborn und zeigen, wie die Tierpflegerin mit ihr trauert. Denn was ich anfasse, bringe ich auch zu Ende.

Atze Svoboda

 

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