Lebt eigentlich Steffen Heitmann noch?

heitideiPolitisch ist er seit langem tot. Er hatte dereinst einen kläglichen Abgang. 1993 war Kanzler Kohl auf die Idee gekommen, einen Quoten-Ossi zum Ausweis der gelungenen Übernahme der DDR zum Bundespräsidenten zu schlagen – Heitmann.

Der hatte, außer Ossi zu sein, zwei weitere Vorzüge: Er war (und ist) Dresdner – und heute weiß man, was für ein bigotter, dünkelhafter, in der Staatsoperette an der Pirnaer Landstraße kulturell vorgebildeter, feiger, im Schutze der Dämmerung und der Anonymität des Kollektivs vor sich hinnölender Menschenschlag das ist. Zweitens versprach er, dankbar und handzahm zu sein, wie es nur ein Dresdener Kirchenbeamter sein kann. Sein kurzes Sterben begann, als ihm die Vorfreude auf den hohen Sessel die Zunge löste und er plaudernd auch über die Gaskammern von Auschwitz räsonierte, die er »tatsächlich einmalig« nannte, wobei nicht vollends klar werden sollte, ob tatsächlich einmalig toll oder tatsächlich einmalig scheußlich.

Schon damals berief er sich auf »das Empfinden der Mehrheit «, einer Mehrheit, die »nicht unbestraft« bleibe, wenn sie die »intellektuelle Debattenkultur« verlasse. Dann war er erst mal weg. Aber gestorben?

Jetzt ein Lebenszeichen, aber eins, mit dem er sich weiter verdünnisiert. Seiner Parteivorsitzenden hat er einen lieben Brief geschickt. Sie habe Elend übers Vaterland gebracht, lässt er sie wissen, und zwar in Form von »täglich tausenden Ausländern«, und auch noch »überwiegend jungen «, und dann nicht mal süßen kleinen Mädchen, sondern »Männern«! Zur Strafe trete er aus der CDU aus. Aber nicht ohne einen sehr, sehr giftigen Satz hinterherzuschicken, den denkbar bösesten Fluch: »Ich habe mich noch nie – nicht mal in der DDR – so fremd in meinem Land gefühlt.«

Fremd unter lauter überwiegend jungen männlichen Fremden! Und das Schlimmste ist: »Hau doch ab nach drüben!« – dieser Rat fruchtet auch nicht mehr.

Matti Friedrich

 

 

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