Dankbarkeit …

… ist in unserem Job ein rares Gut. Dass Klaus Wowereit und ich einen guten Faden miteinander spinnen, ist bekannt. »Der Klaus« hat mich immer für Eigenschaften bewundert, die mir an mir noch gar nicht so aufgefallen waren – meine Sachkompetenz, meine humanistisch Bildung und meine schönen Füße. Aber nicht nur Wertschätzung, auch Kritik habe ich von ihm erfahren. Als ich einmal ein halbstündiges Interview mit ihm fürs Lokalfernsehen abgeliefert hatte, tadelte er mich brüsk: »Mein lieber Atze, das ist so gut, dass hätte in die ARD-Primetime gehört!« Doch ich war nicht verschnupft, sondern habe dem Klaus in »Berlin intim« zahlreiche süffige Kolumnen gewidmet. Natürlich immer so, dass ich mich nie – ganz im Sinne des großen Ansagers Ha-Jo Friedrichs – »mit einer Person, und sei sie auch die großartigste von Welt« gemein gemacht habe.

Aber offenbar ist Wowereit doch nicht so integer, wie ich glaubte. So lange er mich brauchte, um seine Macht zu festigen, war ich ihm gut genug. Jetzt, wo er Privatier ist, schickt er mir keine »Mon Cheri« mehr in die Redaktion. Sicherlich, unsere Gesellschaft ist kälter geworden, unsolidarischer, seit die vielen Flüchtlinge hier Wohnraum, Arbeitsplätze, Geld und Zuwendung beanspruchen. Vielleicht hat das auch den Klaus ein wenig selbstsüchtig gemacht. Woran ich das erkenne? Nun, als ihn eine große Kreuzschifffahrtsgesellschaft fragte, ob er nicht fest ins Entertainment bei Umschiffungen Afrikas einsteigen wolle (in einem Programm mit Ute Freudenberg und den Amigos), hat er zwar sofort »Ja!« geschrien. Als man ihn aber bat, einen Interviewer mitzubringen, der ihm die Vorlagen für seine Bonmots über Schwule und Berlin und Angela Merkel liefern kann, da hat er nicht an mich gedacht.

Stattdessen macht er nun als das Duo »Sabine & Klaus« die Weltmeere unsicher. Ich bin nie hämisch! Aber diesmal doch: Sexuell kann ihm die Christiansen auf monatelanger Fahrt genauso wenig bieten, wie ich ihm geboten hätte.

Atze Svoboda

 

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