Die immer will

Nein, in meinem Job darf man nicht schnell gekränkt sein. Aber man darf auch seine Würde nicht verlieren!
Seit Anfang Oktober, als Seehofer wiederholt ausgerastet ist, war klar: Die Kanzlerin würde sich in die Öffentlichkeit flüchten. Ein altes Mediengesetz – wenn »die Kacke am Dampfen« ist, wenn die Speichellecker, Berater und Arschkriecher im Kanzleramt das Flattern kriegen, sucht der Herrscher moralischen Halt beim Volk (bzw. den Fernsehzuschauern). Kaiser Nero hat’s gemacht, Jelzin auch, und Walter Ulbricht vor der Leipziger Oper, als Honecker ihn faktisch schon entmachtet hatte.

In der Kantine vom ARD-Hauptstadtstudio, wo ich meistens meine Aufträge abfasse, weil da faule Redakteure rumhängen, denen von sich aus nichts einfällt, hieß es bei frischem Lachs auf türkischem Risotto, die Merkel werde »ein Signal« senden (als sei sie eine Leuchtboje vor Rügen). Man wisse nur noch nicht, wie. Jauch tauchte auf und lächelte geheimnisvoll, Plasberg tänzelte rum, Maischberger aß zweimal, und sogar Beckmann lief nervös vor dem Männerklo auf und ab.

Meine Leser werden mich nicht der Eitelkeit zeihen, wenn ich sage, dass ich von all diesen Kollegen (die Maischberger inklusive) eindeutig am besten aussehe. Aber offenbar hat die Intendanz kein Interesse daran, den Zuschauern eine Sendung zu gönnen, wo sie wenigstens bei einem der beiden Beteiligten gerne hinschauen. Für einen Moment keimte noch Hoffnung in mir, als die süße Judith (Judith Rakers, Tagesthemen-Moderatorin, d.Red.) mit ihrem Tablett lachend auf mich zusteuerte:

Jedermann im Hause weiß, welch delikaten Einfluss sie auf einen gewissen ARD-Entscheidungsträger ausübt (aber keine Namen, bitte!). Aber sie rief nur: »Hallo Atze, alte Fratze!«, wie damals, als wir uns noch mehr als nur die Uhrzeit zu sagen hatten – und kriegte die Kurve. Wen sie schließlich für die Merkel genommen haben? Eine Quotenfrau, und auch noch »andersrum«, von der es im Hause heißt: »Anne will immer.« Ehrlich gesagt, manchmal habe ich es satt. Wenn ich diese wunderbare Kolumne im EULESPIEGEL nicht hätte, ich würde verzweifeln.

 

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