meisterwerkeMeisterwerk

Über die Ansprüche an den Menschen in der modernen Höchstleistungsgesellschaft wurde schon viel geschrieben. Zeit, dass endlich auch darüber gemalt wird. Vorliegendes Werk zeigt einen versöhnlichen, ja romantischen Ausweg aus der scheinbar endlosen Spirale der Leistungssteigerung.

Schauen wir uns genauer an, was hier geschieht. Der Physiotherapeut scheint eben erst aus dem Bett gestiegen zu sein: Er gähnt demonstrativ und reckt sich (gut für die Rückenmuskulatur). Doch statt erst mal in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken, um zu sich zu kommen, begibt er sich zur Arbeit. Seine Motive dafür bleiben offen: Ist es Geldgier? Die Gesellschaft, die auch von ihm »Högschdleistung « (Jogi Löw) erwartet und ihn nicht ausschlafen lässt? Oder geht ihm zu Hause einfach seine Alte auf den Senkel? Auf Arbeit jedenfalls wird es für ihn nicht besser. Vor ihm räkelt sich ein Schlangenmensch mit grotesker Frisur auf einem Teppich und – der Text suggeriert es, auch wenn es im Bild nicht zu sehen ist – wirft ihm zwei Bälle an den Kopf. (Nebenbei: Es muss selbstverständlich kein Ball sein. Hanteln oder ein Rudergerät eignen sich genau so.

Sind nur Seile oder Gummibänder zur Hand, kann man auch auf Strangulation ausweichen oder am Steuer des SUV dem Peiniger nach Feierabend auf dem Parkplatz auflauern.) Die resultierenden schweren Verletzungen geben dem Therapeuten Zeit, seine Rolle in der Gesellschaft zu reflektieren. Er wird zu dem Ergebnis kommen, dass ihn der Schlangenmensch von der Geißel der Höchstleistung befreit hat, und er wird, wenn er das Krankenhaus jemals wieder selbstständig verlassen kann, den Schlangenmensch auf einen Kaffee einladen. Und wer weiß, vielleicht wird ja sogar mehr daraus?

F. Magath

 

 

 

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