Sch... gebaut

Auch den Besten der Besten kann ganz großer Mist passieren. Auch mir sind in meiner langjährigen Tätigkeit schon grobe Schnitzer unterlaufen. So zum Beispiel, als ich vor Kurzem in einer intimen Situation eine gute Bekannte mit dem Namen ihrer jüngeren Schwester ansprach.

Umso ärgerlicher, wenn diese Dinge bei der Arbeit geschehen. Meine Kollegen staunten jedenfalls nicht schlecht, als eine wütende barbusige Blondine aus der Besenkammer gestürmt kam. Ähnlich peinlich muss die Situation derzeit für den chinesischen Kollegen Wang Xiaolu sein. Er ist nämlich für den Absturz des chinesischen Aktienmarktes verantwortlich. Im chinesischen Staatsfernsehen räumte er jetzt ein, dass seine Berichte über die Pläne der Regierung, ihr Geld aus dem Aktienmarkt abziehen zu wollen, nicht der Wahrheit entsprachen.

So ein gravierender Fehler wäre mit einer gründlichen Recherche natürlich nicht geschehen. Wäre ich in einer ähnlichen Position gewesen, hätte ich wenigstens im Finanzministerium angefragt, ob eine Berichterstattung überhaupt genehm ist. Wenn Wolfgang Schäuble (wir kennen uns seit Jahren) hätte durchblicken lassen, dass dies nicht der Fall ist, und er mich bei einem kritischen Artikel foltern und in den Gulag stecken lassen würde, hätte ich selbstverständlich davon abgesehen. Das gebietet schließlich meine Korrespondenten-Ehre und mein Respekt vor dem Deutschen Aktienindex.

Aber manchmal passiert eben das, was im Journalistenvokabular ganz große »S, C, H, Punkt, Punkt, Punkt« genannt wird. Dann muss man – wie der Kollege Schlitzauge – die Größe haben, sich öffentlich dafür zu entschuldigen, seine Fehler eingestehen und Besserung geloben – auch wenn man »Sabine« und »Christine« wirklich leicht verwechseln kann. (Meine Handynummer hat sich im übrigen nicht geändert.)

Atze Svoboda

 

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