Die Apple-Watch

Ich bin lange im Geschäft und habe – ohne mit der Wimper zu zucken – schlimme Verbrechen gesehen: Erst neulich – der Name des Kollegen bleibt natürlich ein Geheimnis –wurde ich einer C&A-Krawatte auf einem bügelfreien Hemd gewahr. Ich ließ mir meine Erschütterung nicht anmerken. Ein kaltschnäuziger Investigativ-Terrier wie ich kann mit so etwas eben umgehen. Aber manchmal, da wirft es mich dann doch aus der Bahn wie eine 7-jährige, die vergessen hat, ihr Ticket zu stempeln. So geschehen als ich las, dass die AOK ihren Mitgliedern 50 Euro zuschießt, wenn sie sich eine Apple-Watch kaufen.

Wie weit heruntergekommen ist ein Gesundheitssystem, das so etwas zulässt? Man muss sich das einmal vorstellen! Da werden 50 Euro pro Krankenversichertennase ausgegeben, nur damit sich jeder Dorfdepp ein teures Gerät leisten kann, das keinen nennenswerten Nutzen hat. Das Einzige, wozu so eine Apple-Watch gut ist, ist dem Gegenüber zu signalisieren, dass man sich ein unnützes Apple-Produkt leisten kann.

Und weil ich ein ehrlicher Mensch bin, habe ich deshalb auch den vollen Preis dafür bezahlt – was für mich natürlich auch gar kein Problem war. Jetzt verwässern wahrscheinlich bald Tausende von Idioten den Status, den dieses Gadget mit sich bringt. Dabei wohnen sie wahrscheinlich gar nicht wie ich in einem Kreuzberger Loft (Dachgeschoss, Autolift, polnische Putzfrau), haben unmanikürte Fingernägel oder benutzen abgeschmackte Phrasen wie »keine Ursache «.

Aber ihr werdet euch noch wundern! Denn was die AOK wirklich will, ist nichts weiteres als eure Daten. Sie wollen wissen, wie wenig ihr euch bewegt und ob euer Puls anspringt, wenn ihr auf eure fetten Frauen hüpft. Ja, das ist der Preis für die schöne neue digitale Welt! Und genau da liegt der Vorteil von ehrlichen Menschen wie mir: Meine Daten bekommt keine Krankenkasse. Obwohl ich selbstverständlich überhaupt nichts zu verbergen hätte.

Atze Svoboda

 

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