Es ist ein Drama, ...

… dass ich eine Exklusivreportage über den einzigen noch lebenden Ebolafall in Deutschland machen soll und nichts Passendes anzuziehen habe.
Mein elegantes Wollsakko von Kik, das beigefarbene mit dem karierten Futter, das ich bei exklusiven Terminen (Interview mit Kate Moss oder Fototermin mit dem Ortsbürgermeister von Finowfurth) immer trage, kann ich wohl zu Hause lassen. Aber mit dem von der Klinikleitung angeordneten Latexanzug kann ich mich unmöglich sehen lassen. Er glänzt orange – also die Modefarbe von 1973 – und ist völlig untailliert. Dann auch noch diese Maske und diese Schutzbrille, wie ein Kammerjäger kommt man sich damit vor, nicht wie ein News-Scout. So dem Opfer entgegenzutreten empfinde ich als beleidigend und abwertend – mir gegenüber. Was soll der Mann aus dem Busch von uns Deutschen denken? Schließlich vertrete ich als Reporter ja nicht nur mich, meine Heimatredaktion EULENSPIEGEL, sondern auch die Bundesrepublik.

Ich bin einer, der offen seine Hand ausstreckt, denn wir sind doch alle nur Menschen dieser Erde. In diesem Fall muss die Hand ja nicht nackig sein, aber ein dezenter Gummihandschuh in schwarz und ein Motorradhelm im angesagten Design müssten doch auch genügen.

Ebola wird übrigens durch Kontakt mit Kot und Erbrochenem übertragen. Ankotzen wird mich der Mann ja wohl nicht. Überhaupt, immer diese Hysterie. Würden die da unten sich ordentlich die Hände waschen nach der Notdurft, müssten wir nicht so einen Aufwand betreiben. Weil in bestimmten Teilen der Erde die Hygiene nicht eingehalten wird, darf ich mein Sakko nicht tragen? Ich persönlich halte es ohnehin für falsch, dass wir uns überall einmischen. Die Menschen dort haben ihre eigenen Methoden, mit solchen Epidemien umzugehen. Wir würden uns von denen auch nicht reinreden lassen, wie wir in Europa die Birkenpollenallergie auszuheilen haben.

Wenn ich es recht bedenke, die Ebola-Nummer durchzuziehen und mich dafür böse zu verkleiden, wäre Opportunismus, ein Kinnhaken für mein Berufsethos. Da mache ich doch lieber dreißig Zeilen über die Portoerhöhung der Post – ein Skandal sondergleichen!

Atze Svoboda

 

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