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EULENSPIEGEL-Geschichte
Gegründet wurde das Satire- und Humorblatt »Eulenspiegel« am 15. April 1946 im sowjetischen Sektor von Berlin als
Wochenzeitung sowie unter falschem Namen. Die Gründerväter nannten ihr Kind aus naheliegenden Gründen FRISCHER WIND. Die Taufe auf den Namen EULENSPIEGEL erfolgte im April 1954, beim Wechsel vom
Zweifarben-Offsetdruck auf Vierfarben-Tiefdruck. Der »Eulenspiegel« begleitete mit Karikaturen und satirischen Texten die Jahre des oral existierenden Sozialismus. Ganz im Sinne seines
Namenspatrons Till verstand sich das Blatt als Freund der Mühseligen und Beladenen, der Erniedrigten und anderer armen Schweine. Im vortrefflich (von oben) geführten Pressesystem der Deutschen
Problematischen Republik war der »Eule« (Koseform!) ein spezielles Plätzchen zugewiesen: gedämpfte Kritik, maßvolle Satire im Rahmen der Gesetze, töten, ohne zu verletzen. Um Himmels willen keine
Politiker-Karikaturen! Thematisch im Mittelpunkt: die Randerscheinungen. Aber den Lesern gefiel’s, sie fanden im »Eulenspiegel« mehr, als drin war, nahmen die verhandelten »Fälle« zu Recht
pars pro toto, waren Weltmeister im Lesen zwischen den Zeilen. Die Auflage des Satireblattes war limitiert, auf immerhin 500 000 Exemplare für das kleine Land, trotzdem reichte es nicht, mitunter
wurden Abonnements nach Todesfällen auf die nächste Generation vererbt. Kollisionen mit den Behörden blieben trotz strenger Aufsicht über das Blatt nicht aus. Bei schweren Konflikten wurde sogar
die gesamte Auflage kurzerhand eingestampft.
Gleich nach der Wende 1989 hat die Redaktion ein bißchen Demokratie gespielt: den alten Chefredakteur abgelöst und eine
neue Leitung gewählt. Die gründete eine GmbH, die bis heute als Herausgeber fungiert. Obwohl von vielen prophezeit wurde, dass dies der sichere Untergang sei, hat sich der »Eulenspiegel« in der
Folgezeit allen »Hilfs«-, Kauf- und Fusionsangeboten ehrenwerter Medienkonzerne verweigert und wurstelt nun als Underdog in der deutschen Presselandschaft herum. Mit guten Prognosen. (Vor allem seit
dem vom knappen Geld diktierten Wechsel vom Wochen- zum Monatsheft im August 1991.) Die Auflage war gleich nach der Wende dramatisch gefallen (wie bei allen DDR-Zeitschriften, von denen heute kaum
noch eine vorhanden ist), hat sich aber jetzt stabil bei rund 110 000 eingepegelt.
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