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Liebe Leserin, Lieber Leser,
Medienberichten war vor Kurzem zu entnehmen, dass die katholische Kirche als Reaktion auf die Vorfälle der letzten Wochen bzw. Jahrzehnte
eine sogenannte »Missbrauchs-Hotline« eingerichtet hat. Da ich wie immer nur mit halbem Ohr hingehört habe, sind mir Details nicht bekannt,
aber ich vermute einfach mal, dass es sich um einen Dating-Service handelt, bei dem erfahrene Priester und zarte Knaben zusammenfinden
können. Gut so! Es wurde aber auch wirklich höchste Zeit, dass dieses Thema aus der Schmuddelecke herauskommt. Bis zur allgemeinen
gesellschaftlichen Akzeptanz sind sicherlich noch einige Schwierigkeiten zu überwinden, aber ich bin inzwischen zuversichtlich, den Tag noch
erleben zu können, an dem ein katholischer Pfarrer während des Gottesdienstes ganz offen mit seinen Ministranten schmusen kann, ohne dass das in seiner Gemeinde einen Skandal auslöst.
Einige Skepsis löste Bundeskanzlerin Angela Merkel im letzten Jahr aus, als sie im Zuge der Regierungsumbildung nach der Bundestagswahl überraschend Harry Potter zum Gesundheitsminister ernannte. Viele
Kritiker bemängelten, Potter habe keinerlei Erfahrung im Gesundheitswesen, zudem sei es in der Bundesrepublik nicht üblich, Ämter
an ausgedachte Figuren zu vergeben. Und tatsächlich scheiterte Merkels ursprünglicher Plan: Entgegen ihrer Erwartung gelang es Minister Potter
nicht, das Defizit der Krankenkassen einfach wegzuzaubern. Nun hat er aber einen zweiten Anlauf genommen und einen Plan vorgelegt, der die
Finanzprobleme jetzt wirklich lösen soll. Dieser sieht unter anderem vor, dass es künftig Obergrenzen für Medikamentenpreise geben soll –
allerdings sollen neue Präparate jeweils ein Jahr lang von dieser Regelung freigestellt sein. Ich glaube, die Pharmakonzerne werden mit diesem
Gesetz gut leben können. Ich glaube auch, dass in Kürze zum Beispiel die Marke »Aspirin« aus den Apotheken verschwinden wird. Und ich glaube
weiterhin, dass dafür in den nächsten vier Jahren die neuen, innovativen Medikamente »Espirin«, »Ispirin«, »Ospirin« und »Uspirin« den Markt
erobern werden, jedenfalls bis sie dann nach zwölf Monaten wieder verschwinden. Mehr über unseren Gesundheitsminister und seine genialen Ideen erfahren Sie auf Seite 20.
Unterschiedliche Reaktionen hat der türkische Ministerpräsident Erdogan mit seiner Forderung nach türkischen Schulen in Deutschland ausgelöst:
In der deutschen Provinz herrschte vor allem Empörung, bei Großstädtern dagegen eher Verwirrung – in vielen Innenstadtbezirken kennen die
Menschen nämlich gar keine anderen Schulen mehr. So oder so ist die Aufregung für mich jedenfalls nicht nachzuvollziehen, insbesondere nicht
das Argument, solche Einrichtungen gäben den Parallelgesellschaften Auftrieb. Vermutlich dürfte eher das Gegenteil der Fall sein: Ich würde
jedenfalls wetten, dass Absolventen einer Schule in, sagen wir, Istanbul dank Deutsch als erster Fremdsprache und Kopftuchverbot in der
deutschen Gesellschaft leichter zu integrieren wären als ihre Pendants aus Neukölln. Von meiner Seite aus also ein eindeutiges Ja zu Erdogans
Vorschlag! Damit alles schön friedlich bleibt, bräuchten wir dann natürlich noch eigene Schulen für Kurden, aber das fällt dann auch nicht mehr
großartig ins Gewicht. Also worauf warten wir noch? Jedenfalls nicht auf unseren Artikel zu diesem Thema, der ist nämlich schon fertig und wartet ab Seite 38 auf Sie.
 Chefredakteur
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