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Unsere Besten
Pistentod trotz Nackenschmerz
von Angeley D. Eckardt
Es klingelt, es ist das Festnetztelefon. Ein einfaches Klingeln – wie
banal! Würde das Telefon auch nur ahnen, wer sich dahinter verbirgt, es würde glühen, explodieren oder ejakulieren. Ich hebe ab: Der
Telefonhörer fühlt sich trügerisch kühl an, als wisse er nicht, wer am anderen Ende ist. Ich weiß es auch noch nicht und kaue an einem Donut. Doch dann schießt es mir durch den Kopf wie ein
vagabundierendes Karosserieteil mit 250 km/h: ER ist am Apparat. ER atmet souverän, beinahe ohne Anstrengung, die Sprechmuschel kratzt über sein mächtiges Kinn und ich werde ganzkörperfeucht, als er
sagt: »Schumacher.« Michael Schumacher, 41 Jahre alt, von denen er »sechs Fünftel auf der Piste« verbracht hat, der letzte deutsche Held nach dem Tod von
Rudi Hess, der größte Wagenlenker seit Ben Hur. Michael Schumacher hat meinen Interviewtermin bestätigt! ER hat »ja« gesagt, dabei nur
sanft gestottert und dann aufgelegt. Mir wird schlecht. Ich erbreche den Donut. weiter
Alle Macht dem Mittelstand
von Peter Köhler
Im Unterschied zur Union, den Grünen und vor allem der gewerbsmäßigen Sozialdemokratie,
die ihr wahres Gesicht vor der Wahl in der Hose verstecken, tragen die Liberalen ihre Meinung offen. Während anderswo der Wähler nach der Wahl mit staunendem Gehirn erfährt,
was er gewählt hat, und eine treulose Tomate wie die SPD, sobald sie die Regierung geentert hat, den Menschen draußen vor der Tür verklickern muss, warum sie plötzlich
gegen sie ist, bleiben die Freien Demokraten eisern in der Spur. Sie haben angekündigt, dass sie ihrer Kundschaft Gold, Schmuck und Elfenbein zuspielen werden, und das tun sie nun.
Einer der Täter: Rainer Brüderle. Seit 1998, als er bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung kündigte und seinen
Wohnsitz im Bundestag nahm, hatte er auf seine Chance gelauert. Elf lange Jahre musste er auf den Buckel nehmen, bis im Herbst 2009 die SPD endlich verhungert war und die FDP ins
Kabinett vorrücken durfte. weiter
Rasse Weib
Mein Jahr mit Michelle von Robert Niemann
Der Kampf um die Präsidentschaft lief schon wochenlang, als Barack Obama
erstmals zaghaft seine Gattin Michelle präsentierte. Die genauen Umstände für diesen späten Zeitpunkt sind nicht so ganz klar; feststehen dürfte allerdings,
dass nicht Michelle es war, die so lange gezögert hatte. Denn als sie endlich vor die Kameras durfte, redete sie einleitend erst einmal über sich, dann ausführlich
über sich und schließlich, zur Abrundung gewissermaßen, noch ein wenig über sich. Obama kam allenfalls als Depp am Rande vor, der zu blöd ist, die Butter in
den Kühlschrank zu stellen. Das Echo beim Wahlvolk war verheerend: Ein Viertel gab zwar an, beim Anblick von Michelle »Wow!« zu denken, aber das denken die
meisten Amerikaner ja auch am 11. September, am 4. Mai sowie in der dritten Juniwoche vormittags. Der Rest hingegen äußerte »Hilfe!« bzw. von der wolle er lieber nicht gebissen werden. weiter
VER GEIGT
Adieu, Rieu! von Rolf Schilling
Pünktlich zu jener Jahreszeit, in der Tröpfcheninfektionen und Spekulatius
Hochkonjunktur haben und das Girokonto noch immer an den Folgen der vorjährigen Weihnachtseinkäufe laboriert, taucht ein Typ wie aus der Schmalzbäckerei auf
unseren Bildschirmen auf und verlässt sie erst wieder, wenn die letzten Schneeglöckchen verwest sind, nicht ohne schreckliche Schlieren in unseren Seelen und auf unseren Mattscheiben zu hinterlassen.
So geht das schon ein halbes Jahrhundert lang. Ich kenne ihn aus frühesten Kindertagen. Aber auch mein Großvater kannte ihn bereits. Er benutzte gern und oft
das Wort »Arschgeige« – aber ich wusste nie, wer oder was damit eigentlich gemeint war. Ich schlug im Lexikon nach, vergebens. Doch eines Tages sah ich IHN! Das heißt
, nachdem ich mich in der frühkindlichen Phase dauernd vor ihm im Hühnerstall versteckt hatte, nahm ich all meinen kleinen Mut zusammen und sah ihm ins Gesicht:
diese schreckliche Visage. Und da wusste ich: Das ist dieArschgeige, der Prototyp derArschgeige, das Original! weiter
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