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Rasse Weib
Mein Jahr mit Michelle
Der
Kampf um die Präsidentschaft lief schon wochenlang, als Barack Obama erstmals zaghaft seine Gattin Michelle präsentierte. Die genauen Umstände für diesen späten Zeitpunkt sind nicht so ganz klar;
feststehen dürfte allerdings, dass nicht Michelle es war, die so lange gezögert hatte. Denn als sie endlich vor die Kameras durfte, redete sie einleitend erst einmal über sich, dann ausführlich über
sich und schließlich, zur Abrundung gewissermaßen, noch ein wenig über sich. Obama kam allenfalls als Depp am Rande vor, der zu blöd ist, die Butter in den Kühlschrank zu stellen. Das Echo beim
Wahlvolk war verheerend: Ein Viertel gab zwar an, beim Anblick von Michelle »Wow!« zu denken, aber das denken die meisten Amerikaner ja auch am 11. September, am 4. Mai sowie in der dritten Juniwoche
vormittags. Der Rest hingegen äußerte »Hilfe!« bzw. von der wolle er lieber nicht gebissen werden.
Das Wahlkampfteam erstarrte. Wohin mit der Bestie? Da gerade kein hungriges Krokodil in der Nähe war, unterzogen sie Michelle einem kompletten Relaunch: keine Hosenanzüge mehr, glatte Haare, die 400
-Dollar-Schuhe ab in den Schrank, statt vier Meter dreißig nur noch eins achtzig groß. Und geredet werden durfte nur noch über Familie,
Küche, Kindererziehung. Und Michelle, die immer die Wahrheit sagt, sich nicht den Mund verbieten lässt, die authentisch ist, dass sich die
Balken biegen? War plötzlich ganz brav, redete nur noch, wenn sie gefragt wurde, pries ihren Gatten als jemanden, der bis auf fliegen so ziemlich alles kann und kaufte ihre Schuhe bei einem Internet
-Discounter. Mit Erfolg: Plötzlich glaubte Amerika, es gäbe neben den Huxtables aus der Bill-Cosby-Show noch eine zweite schwarze Ehe,
die einigermaßen funktioniert. Und immerhin jeder Dritte konnte sich nun doch vorstellen, in Anwesenheit eines Notarztteams einmal von
Michelle gebissen zu werden, was zumindest beweist, dass ein gutes Styling mitunter auch eingefleischte Rassisten zu beeindrucken vermag.
Die neue Betty Ford
Wer ist diese Person? Nun, genetisch gesehen das Beste aus den
Williams-Schwestern, Whoopie Goldberg und Onkel Toms Hütte. Anders als Obama, der der Spross eines lebenslustigen Studenten aus Kenia ist, stammt sie ur-ururgroßmütterlicherseits direkt von Sklaven
ab. Sie wurde sozusagen auf der Baumwollplantage geboren und musste gleich nach dem Abnabeln mitpflücken und den Blues erfinden. Legitimatorisch ist so etwas in der Black Community ganz wichtig;
ungefähr so, als wenn hierzulande jemand darauf verweisen kann, dass der Urgroßonkel mal mit Stauffenberg im
Paternoster gestanden hat. Sie gehört zu jenen knallhart ihre Karriere durchziehenden Elite-Schwarzen, die ohne mit
der Wimper zu zucken behaupten, ihr persönlicher Aufstieg sei ein Erfolg für alle schwarzen Brüder und Schwestern im Lande.
Nun hat sie diese Karriere in das Amt der First Lady geführt; ein Job, der sich zunächst einmal nicht groß von dem
des Regalauffüllers bei Wal-Mart unterscheidet: Wenn man erst einmal dabei ist, macht es viel mehr Spaß, als man
vorher dachte. Häufig ist er karitativ ausgerichtet: Einmal im Jahr Plätzchen backen für Waisenkinder. Gern werden
auch Stiftungen ins Leben gerufen, die sich dann gesellschaftlich relevanter Probleme annehmen, etwa der
Bekämpfung von Bakterien in Frühstücksbrettchen oder der Lese-Rechtschreibschwäche bei ausgesetzten
Brillenkaimanen. Oder wie bei der längst vergessenen Betty Ford, die gegen den Alkohol kämpfte, indem sie ihn den
Suchtgefährdeten einfach wegtrank. Wen wundert’s, wenn ein starker Charakter wie Michelle in dieser Rolle eigene
Akzente setzt? Zunächst einmal wurde das Weiße Haus von High-Society-Innenarchitekten, die etwas von
geschmackvollen Möbelchen, Tischläufern mit Swarovski-Kristallen und dezenten Arrangements aus frischen Blumen
und exotischen Früchten verstehen, auf Vordermann gebracht. Das ist Michelle ihren Wurzeln in der amerikanischen Arbeiterklasse einfach schuldig.
Die gesellschaftlich ja traditionell besonders wichtige Modebranche überschlägt sich: Endlich wieder eine Stil-Ikone
im Weißen Haus! Was trägt sie? Wer hat ihren Schmuck designt? Und wo lässt sie sich die Achselhaare machen?
»Dress she can!«, rumpelt es allerorten, was so blöd ist, dass man es nicht einmal übersetzen kann, auch wenn man
ungefähr ahnt, was es bedeuten soll. Michelle wird nie wieder für irgendetwas bezahlen müssen, denn die Branche
dient ihr vom Ohrclip übers Ballkleid bis zum Tennisschuh alles umsonst an, weil sie das ganz große Geschäft wittert:
Wenn Michelle deine Schnürsenkel trägt, dann wirst du dir deine eigenen nie wieder selbst binden müssen!
Das Lächeln des Weißen Hais
Was hierzulande weit mehr Beachtung hätte finden müssen, ist die Tatsache, dass das Weiße Haus mit den Obamas
europäischer geworden ist: Der First Dog an Michelles Seite ist ein Portugiesischer Wasserhund. Wer’s noch nicht
weiß: Wasserhunde waren für die Fischer einmal das, was der Jagdhund für den Jäger ist. Mit anderen Worten: Sie
können Netze flicken und Regenwürmer auf Angelhaken ziehen. »Bo ist ein typischer Europäer, genauso, wie mein
Mann sie beschrieben hat: nicht gänzlich unintelligent, antiallergisch und er frisst mir aus der Hand«, berichtet
Michelle stolz. »Jetzt muss er nur noch lernen, auch über Nacht im Aquarium zu bleiben!«
Vergleiche mit der letzten demokratischen First Lady Hillary »Mein-Mann-hatte-niemals-Sex-mit dieser-Frau« Clinton
geht Michelle offensiv an. »Ich bin schwarz, sie ist, glaube ich, weiß! Ich bin eins achtzig, sie eins zwölf«, fallen ihr
gleich jede Menge Unterschiede ein. »Und«, fügt sie mit einem Lächeln hinzu, das man so seit dem »Weißen Hai«
nichtmehr gesehen hat, »sie muss als Außenministerin machen, was mein Mann sagt!« Was sie nicht extra zu
erwähnen braucht: Sollte Obama sie je betrügen, dann wird sie ihn verlassen. Freunde der Familie präzisieren: Erst wird sie ihn killen, und dann wird sie ihn verlassen.
So ist das bei den Obamas. Menschen, die immer auf ein Ziel hingearbeitet haben: Er wollte Präsident werden und
sie auf die Titelseite der Vogue. Hat man das geschafft, beginnt die eigentliche Arbeit. Denn von ganz oben
gesehen erweist sich die Welt zwar als gar nicht so schlecht; aber doch als ziemlich schlecht designt.
Robert Niemann
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