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Liebe Leserin, lieber Leser,
als Guido Westerwelle vor einem Monat aufgrund des Urlaubs von Angela Merkel vorübergehend quasi Bundeskanzler wurde und sogar eine
Sitzung des Kabinetts leiten durfte, hielt ganz Deutschland den Atem an: Was würde der irre Liberale mit dieser Machtfülle anfangen? Würde er den Ausnahmezustand ausrufen und die
Arbeitslosigkeit mit Hilfe mobiler Erschießungskommandos auf Null bringen? Würde er die Flagge der Bundesrepublik Deutschland neu gestalten (gelb-blau mit drei Punkten)? Würde er
zum totalen Krieg gegen Unternehmenssteuern aufrufen? Doch die Spannung verflog schnell, denn Westerwelle tat – nichts. Und gab anschließend eine Pressekonferenz. Besser hätte es, das muss man
neidlos anerkennen, seine Chefin auch nicht machen können. Ist er am Ende vielleicht doch reif für dieses Amt?
Es gibt so viel Streit und Unfrieden auf der Welt –
Christen gegen Moslems, Männer gegen Frauen, Dortmund gegen Schalke ... Brauchen wir denn da wirklich noch den Kampf Journalisten gegen Regierung? Unsere Politiker haben einen schweren,
undankbaren Job. Jeden Tag werden sie mit kniffligen Problemen konfrontiert, mit denen sie, so gut es geht, fertig zu werden versuchen, und zwar zu unser aller Wohl. Das Letzte, was sie da
gebrauchen können, sind irgendwelche überkritischen Schreiberlinge, die nichts besseres zu tun haben, als ständig »Affären« oder »Machenschaften« aufzudecken. Leider gab es das
in der Vergangenheit viel zu oft – aber diese unschöne Zeit scheint zum Glück nun vorbei zu sein. Denn im Sommer des Jahres 2010 haben sich Journalismus und Politik in Deutschland öffentlich die
Hand zum Friedensschluss gereicht und dieses Abkommen durch einen gegenseitigen Austausch von Personal symbolisiert: Der ehemalige Regierungssprecher wurde Intendant des
Bayerischen Rundfunks, während seine alte Stelle vom Moderator des ZDF-»Heute-Journals« besetzt wurde. Ein großartiger Vorgang, der übrigens auch
das Potential aufzeigt, das in dieser Verbindung liegt. Mehr davon gibt’s auf Seite 26.
Als die Nachricht durch die Medien ging, dass diverse amerikanische Milliardäre angekündigt hatten
, beträchtliche Teile ihres Vermögens für wohltätige Zwecke spenden zu wollen, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns die ewig gestrigen Gleichmacher unter ihren vermutlich staatlich
finanzierten Steinen hervorgekrochen kamen und das gleiche auch von unseren Leistungsträgern forderten
. Aber zum einen müssen wir ja wohl nicht alles nachmachen, was aus Amerika kommt, und zum anderen sollte man bedenken, dass allein
schon die Vorstellung eines solchen Szenarios Deutschlands zweitreichsten Mann offenbar so erschreckt hat, dass er pünktlich zum Start
dieser Debatte, ja genau genommen sogar noch kurz davor, in der Blüte seiner 88 Jahre plötzlich und unerwartet verstarb. Damit will ich
keinesfalls andeuten, alle Anhänger einer Vermögenssteuer oder ähnlicher Ideen wären Mörder, aber dass Blut an ihren Händen klebt, wird
wohl kein vernünftiger Mensch bestreiten wollen. Darum rufe ich diesen fehlgeleiteten Subjekten zu: Haltet ein, ihr Verblendeten!
Unterdrückt euren Neid, arbeitet fleißig und lest unseren Artikel auf Seite 22, auf dass euch vergeben werde, und zwar von mir persönlich.
Spendet reichlich Grüße
 Chefredakteur
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